Kommentar zu Corona-Pflichttests
AHA: Ermüdung und Erlebnis

Nun ist sie also da, die Corona- Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Der Staat sieht sich zum nächsten Eingriff in die Freiheitsrechte seiner Bürger gezwungen. Grundsätzlich gilt längst, dass sich alle Reisenden für zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen, die in einem Land waren, wo die Zahl der Neuinfektionen vergleichsweise hoch ist. Aber weil sich nicht alle bei ihren Gesundheitsämtern zurückmelden und die häusliche Quarantäne nur schwer zu überprüfen ist, wollen Bund und Länder mit der Testpflicht auf Nummer sicher gehen. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Freitag, 07.08.2020, 04:09 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 05:01 Uhr
Symbolbild. Foto: Uwe Anspach/dpa

Die Kosten trägt die Solidargemeinschaft. Der Bundesregierung ist es zu heikel, dass Urlauber einen kleinen Teil ihres Reisebudgets für einen solchen Test ausgeben sollen. Beim Ski-Fahrenbestehe ja auch das Risiko des Beinbruchs, der im Fall der Fälle ebenso zulasten der Krankenkasse gehe, argumentiert Gesundheitsminister Spahn. Alltagsmasken kosten aber auch Geld, auch sie sind Pflicht. Und zwar noch sehr lange. Dann könnten sie auch in Bus und Bahn kostenlos verteilt werden.

Spahn verspürt eine gewisse AHA-Ermüdung, weil immer wieder gegen die Corona-Maßnahmen „Abstand-Hygiene-Alltagsmaske“ verstoßen werde. Für die vielen, die sich an alles halten, ist es aber genauso ermüdend, dass immer wieder an die Eigenverantwortung appelliert und Verständnis für die ein oder andere Einschränkung geworben werden muss, damit ein großer Schaden ausbleibt. Die einen umarmen vorsichtshalber ihre Eltern und Großeltern nicht mehr, die anderen feiern wilde Partys. Auch das spaltet eine Gesellschaft.

Ein Wort zum CDU-Politiker Spahn: Der Auftritt des 40-Jährigen war wieder ruhig und klar. Und selbstkritisch. Wir werden uns Fehler verzeihen müssen, hatte er vor Wochen gemahnt. Die Pandemie sei ein Lernprozess. So zeigt sich Spahn nun zwar beunruhigt, dass erstmals seit Mai wieder die Zahl von 1000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag überschrittenen wurde – aber er verweist darauf, dass nun um ein Vielfaches getestet wird. Dadurch werden mehr Infektionen registriert. Das ist keine Entwarnung, aber eine Erklärung.

Derweil hat der Anwärter auf den Parteivorsitz, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, eine Auseinandersetzung mit der Landes-SPD am Hals, ob er sich nach seiner Auslandsreise hat testen lassen. Griechenland ist kein Risikogebiet. Trotzdem hat er sich laut dpa testen lassen – was erst spät bekannt wurde. So wird an einem Tag Laschet mit Fragen zu seinem Testverhalten wahrgenommen und Spahn mit Regierungshandeln zu einer Testpflicht. Ein kleines Aha-Erlebnis. Wer CDUChef wird, ist noch sehr offen.

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