Kommentar zu 75 Jahre nach Hiroshima
Ein bedenklicher Trend

Um 8:16 Uhr und zwei Sekunden explodierte die Atombombe am 6. August 1945 in etwa 600 Metern Höhe über der Innenstadt von Hiroshima – das Bild vom verheerenden Atompilz brannte sich in die Erinnerung der Welt. Innerhalb einer Sekunde hatte die Detonationswelle 80 Prozent der Innenstadt komplett zerstört – etwa 80.000 Menschen starben sofort, etwa noch einmal so viel in den anschließenden zwölf Monaten, bis heute erliegen in der japanischen Stadt Menschen den Spätfolgen der Verstrahlung. Zwei Tage später vernichtete eine Atombombe die Stadt Nagasaki – dort forderte das Grauen sofort ebenfalls etwa 80.000 Opfer.

Mittwoch, 05.08.2020, 07:57 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 08:02 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Was hat die Welt von diesem Tabubruch gelernt? Nicht viel, wenn man auf die Drohungen der Weltmächte gegeneinander schaut und die Aufkündigung grundlegender Abkommen wie des „Open-Skies“-Vertrags zur Rüstungskontrolle oder des INF-Vertrags über das Verbot atomarer Mittelstreckenwaffen durch die USA bedenkt.

Nach Angaben des Stockholmer Friedensinstituts Sipri gibt es zudem einen bedenklichen Trend. Die Atommächte investieren demnach wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomsprengköpfe im vergangenen Jahr laut Sipri weltweit um vier Prozent zurück – dafür verstärkten die Staaten aber ihre Anstrengungen, um die Arsenale zu modernisieren.

Das heißt auch, dass Atomwaffen bei den Sicherheits- und Militärstrategien – vor allem der USA und Russlands – wieder wichtiger werden. 75 Jahre nach dem atomaren Desaster haben die Weltmächte längst genug Atomwaffen, um diesen Planeten tausendfach zu zerstören. Die Bestände der USA werden von Sipri auf 6185, die in Russland auf 6500 geschätzt. Auch Großbritannien (200), Frankreich (300) und China (290) sowie Israel (80-90), Indien (130-140) und Pakistan (150-160) verfügen über solche Waffen. Und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un soll inzwischen etwa 30 Atomsprengköpfe besitzen.

Nicht nur die große Anzahl weckt Befürchtungen, sondern auch der Blick auf die Personen, die an den roten Knöpfen sitzen. Populisten, Nationalisten und Diktatoren, die sich nicht durch rationale Politik auszeichnen. Das „Gleichgewicht des Schreckens“, das den Kalten Krieg beherrschte, wird leider eine politische Doktrin bleiben – eine überzeugende, nachhaltige Abrüstung rückt in weite Ferne.

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