Kommentar zu steigenden Coronazahlen
Die zweite Welle brechen

Es ist keine Überraschung, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder steigt. Der große Schrecken, die Vorsicht und Einsicht wie zu Beginn der Corona-Pandemie sind gewichen, weil das große Drama anderer Staaten in Deutschland ausgeblieben ist. Keine Triage wie in Italien, wo Ärzte einen Mangel verwalten und entscheiden mussten, wer das Beatmungsgerät bekommt. Keine langen Schlangen von Leichenwagen wie in Spanien, kein irrlichternder Präsident wie in den USA.

Mittwoch, 05.08.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.08.2020, 05:04 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Und warum hat Deutschland das nicht erlebt? Weil das Land und seine Bürger und die Regierungen in Bund und Ländern sehr vieles richtig gemacht haben. Harte Maßnahmen am Anfang, danach sukzessive Lockerungen, Milliarden- Summen für die Wiederankurbelung der Wirtschaft, Flexibilität der Arbeitgeber beim Homeoffice und der Arbeitnehmer bei den Arbeitszeiten.

Viele haben aber den Zusammenhang nicht verstanden. Deutschland steht vergleichsweise gut da, weil es diese Maßnahmen gab und gibt. Und nicht, weil es Corona nicht gibt. Oder weil es schon einen Impfstoff oder ein Medikament gegen die Krankheit gäbe. Wirte zapfen das Bier wieder ohne Maske, Bus- und Bahnreisende ziehen ihren Mund-Nasen- Schutz nicht über die Nase, Kunden drängeln beim Einkaufen, der Urlaub in ein Risikogebiet wird auf Teufel komm raus angetreten und Corona-Leugner halten mit Absicht keinen Abstand.

Dabei zeigt sich dieser Staat oft an falscher Stelle verständnisvoll. Die Corona-Tests werden den Risikourlaubern natürlich bezahlt, Gaststätten werden schlampig kontrolliert, Demos zu spät aufgelöst. Allen sollte klar sein: Einen zweiten flächendeckenden Shutdown wird es nicht geben. Vielleicht ist er auch nicht nötig, weil es ausreichen wird, kleinteilig abzuriegeln. Vor allem aber wird das Geld nicht reichen. Und die Verantwortung für weitere gravierende Rückschritte durch erneute Schul- und Werksschließungen wird keiner tragen wollen.

Das bedeutet: Die Ausdauer für Umsicht und Solidarität jedes Einzelnen muss noch größer werden. Und zugleich müssen Verstöße konsequenter geahndet werden. Ein Bußgeld für Maskenverweigerer ist gut. Das ist nötig, um die bisherigen Erfolge nicht kaputtzumachen und die Corona-Kranken und die Todesopfer nicht zu verhöhnen. Die zweite Welle rollt an. Wir haben es selbst in der Hand, sie zu brechen.

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