Kommentar zu Gewalt in den US-Städten
Das Chaos als Wahlhelfer

In vielen US-Städten gibt es aktuell ein Pro­blem mit Gewalt auf den Straßen . Auf den ersten Blick wirkt es da wie eine gute Idee, dass Washington Bundespolizisten schickt, um der Lage Herr zu werden. Doch in den USA geht es derzeit um etwas ganz anderes. Es geht um einen kulturellen Konflikt zwischen Stadt und Land, den Donald Trump für sich nutzen will.

Donnerstag, 30.07.2020, 09:29 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 09:32 Uhr
Demonstranten stehen in Portland mit Mundschutz und selbstgebastelten Schildern bei einem «Black Lives Matter»-Protest vor dem Mark O. Hatfield Bundesgericht. In den USA reißen die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus nicht ab. Foto: dpa

Denn der Präsident ist mitten in der heißen Wahlkampfphase angeschlagen. Das Land taumelt in die Megakrise und sein missliches Corona-Krisen-Management trägt daran großen Anteil. Trump muss das Blatt wenden – um jeden Preis. Das Problem: Er will mit den Aktionen aber nicht das Problem lösen, sondern die Gesellschaft weiter spalten.

Ein Land im Konfliktmodus hilft ihm. Die zumeist liberal geprägten US-Großstädte sind Trump und seiner Kernwählerschaft seit Langem ein Dorn im Auge. Nicht nur Mega-Metropolen, fast alle Städte im Land wie Austin/Texas oder Portland/Oregon sind fest in der Hand der Demokraten und geprägt von einer libertären Kultur. Hier wird im Moment teils seit Monaten demonstriert, und da sich auch radikale Gruppen dazugesellt haben, sind die Zustände in einigen Bezirken schier unerträglich.

Donald Trump wirft alles in einen Topf

Donald Trump vermischt aber die Proteste nach dem Tod von George Floyd mit dem allgemeinen Kampf gegen die Gewalt in Vororten, wirft alles in einen Topf, um dann zu lasche demokratische Bürgermeister als Keimzelle allen Übels anzuprangern. Mit unangemessener Härte will er bei seiner Kernwählerschaft punkten und ganz nebenbei ein großes Comeback als starker Macher hinlegen. Dies wiederum bringt die Demons­tranten immer mehr gegen ihn auf.

Gerade Chicago ist für Trump ein rotes Tuch, denn hier hat sein Vorgänger Barack Obama versucht, das Sozialwesen zu reformieren. Dass er in diesem „Sumpf“ endlich „aufräumen“ will, hat viel mit symbolischer Aufladung zu tun. Die Dauer-Proteste in Chaos verwandeln, um dieses dann anprangern zu können: Trump lenkt so auch davon ab, dass auch das ländliche Amerika keineswegs ein Hort von Ruhe und Ordnung ist. Die Opioid-Krise überzieht die Mittelschicht mit Tausenden Drogentoten, Menschen fühlen sich völlig abgehängt – auch Trump änderte daran rein gar nichts. Werden sie sich ein weiteres Mal von seinen leeren Versprechen einfangen lassen?

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