Kommentar zu Trump und die WHO
Akut in Existenznot

Für US-Präsident Trump ist die Ankündigung, Amerika trete aus der Weltgesundheitsorganisation aus, nur ein weiterer konsequenter Schritt in seinem Wahlkampf. Er will mit diesem Vorgehen der WHO die Schuld zuschieben, dass sich das Coronavirus derart verheerend in den USA verbreiten kann. Zugleich setzt er mit dieser Entscheidung seinen nationalen Kurs des „America first“ fort.

Donnerstag, 09.07.2020, 09:43 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 09:48 Uhr
Das Logo der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf. Foto: dpa

Zum Glück ist das letzte Wort über den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation noch nicht gesprochen. Sollte Trump seine Wiederwahl verfehlen, will der mögliche neue US-Präsident den Schritt rückgängig machen. Für die WHO, für die Weltgesundheit und auch für die USA wäre es besser. Neben diesen nahe­- liegenden Feststellungen muss die Entscheidung des US-Präsidenten aber auch Anlass sein, die WHO und ihre Strukturen kritisch zu beleuchten. Nicht alles, was Trump sagt, ist falsch, nur weil es von ihm kommt. Es spricht vieles dafür, dass in der frühen Phase der Corona-Pandemie China tatsächlich zu schonend behandelt wurde. Wäre die Pandemie früher ausgerufen worden und wäre man früher mit klaren Schutzmaßnahmen Reisenden aus China begegnet, hätte sich das Virus nicht in diesem Tempo global verbreiten können. Mehr noch: Während die USA mit rund 15 Prozent den größten Anteil an der Finanzierung der WHO leisten, taucht China unter den zehn größten Geld­- gebern nicht auf. In Trumps Logik reichen diese Befunde, die WHO zu verlassen.

Ohne das Wirken der WHO wären Armut, Verelendung und Fluchtbewegungen auf der Welt deutlich größer. In manchen Ländern in Afrika und im arabischen Raum ersetzt die WHO das fehlende staatliche Gesundheits­system. Sie sorgt global für einen besseren Impfschutz und eine bessere Ernährung in den armen Ländern.

Die weltweite Gesundheitsorganisation hat aber jahrelang ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie ist nicht krisenfest. Bei Ebola war sie zu langsam. Dem Corona-Geschehen hat sie weitgehend hilflos zu­gesehen, während viele Länder auf nationale Mechanismen setzten. Dabei wäre es genau die Aufgabe der WHO, in einer Pandemie-Lage die internationale Solidarität aufrechtzuerhalten. Bei ihrer ureigenen Aufgabe, dem Schutz der Menschen vor gesundheitlichen Gefahren, ist sie so wenig organisiert, dass der deutsche Gesundheitsminister bereits auf europäischer Ebene eine Art Gesundheits-Nato zum Schutz der Europäer vor Gefahren wie dem Coronavirus angeregt hat.

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