Kommentar zur Entwicklung bei der Commerzbank
Keine Angst vor Cerberus

Wer sich Cerberus nennt, will schon mit dem Namen Respekt einflößen. Dabei war der Höllenhund der griechischen Mythologie gar nicht so unüberwindlich, wie man glauben könnte. Einige kamen sehr wohl an ihm vorbei, sogar mehrmals, darunter Psyche, die ihn mit Honigkuchen bestach.

Dienstag, 07.07.2020, 19:39 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 19:42 Uhr
Das Schild einer Commerzbank-Filiale nahe der Zentrale des Geldinstituts in Frankfurt. Foto: dpa

Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Cerberus des 21. Jahrhunderts, eine US-Investmentgesellschaft , auch so leicht bestechen lässt wie jener an der Pforte zum Hades. Und selbst wenn sich der neue fürs Erste mit den geforderten zwei Aufsichtsratsposten und ein paar fragwürdigen und deshalb bislang abgelehnten Berateraufträgen für die Cerberus Operations and Advisory Company zufrieden gäbe: Es wäre schon sehr verwunderlich, wenn der Appetit dieser Heuschrecke am Ende nicht doch weiterreichte.

Klar kann die Tatsache, dass die Commerzbank-Aktie seit dem Einstieg von Cerberus vor drei Jahren mehr als 60 Prozent ihres damaligen Wertes verloren hat, nicht nach dem Geschmack einer Investmentgesellschaft sein. Der geforderte radikale Streichkurs könnte zumindest kurzfristig etwas ändern. Schon deshalb könnte die Schmähkritik des Höllenhundes an der bisherigen Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat – „arrogant, unausgegoren, mangelhaft“ – vielleicht bei anderen Aktionären inklusive deutschem Staat als größtem Teilhaber sogar auf gewisses Verständnis stoßen.

Doch Cerberus geht es um mehr. Schließlich ist die Gesellschaft nicht nur an der Commerzbank, sondern auch an der Deutschen Bank, der österreichischen Bawag und an der HSH Nordbank beteiligt. So viel Engagement in der Finanzwirtschaft, die unter dem Niedrigzins genauso leidet wie unter neuer Konkurrenz durch die Digitalisierung, hat weitergehende Gründe. Den ersten Versuch, Deutsche Bank und Commerzbank zu fusionieren, unterstützte Cerberus klar. Ohne Erfolg. Aber vielleicht spornt ihn der Widerstand an.

Im Sinne der Commerzbank-Kundschaft und -Belegschaft wäre dies freilich nicht. Ihre Hoffnung: Fünf Prozent der Aktien sind eine ganze Menge – aber noch lange nicht die Mehrheit.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 08.07.2020 07:50
Cerberus
Die Commerzbank, die ja nicht gerade frei ist von dem Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung, der Dividenden-Arbitrage zum Steuerbetrug und von der Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie, ist nun in den Fängen von "Cerberus". "Cerberus" gehört zu der Spekulations-Clique, die Konzern-Fledderei betreibt und das letzte Geld herausholen, und zwar mit diabolischen Plänen, wie der Name vermuten lässt. Wenn ich den Namen höre, fällt mit automatisch der Name Steven Ratten ein, der in den USA bei diversen Autofirmen "merkwürdige" Räder gedreht hat. Er war bei "Cerberus" beteiligt. "Cerberus" bekam seinerzeit "Chrysler" geschenkt und sorgte dafür, dass es in die Verantwortung der Steuerzahler fiel. Übrigens bekam "Cerberus" seinerzeit auf Daimler-Benz-Aktien . Nun könnte man meinen, dass es der Bund mit seinen 15 % am Commerzbank-Kapital schon richten wird, dass "Cerberus" nicht "fleddert". Doch die" Capital Group" hält ebenfalls, wie "Cerberus" 5 %. "Black Rock" und "Norgesbank" 3% sind ebenfalls beteiligt. 51 % der Aktien werden von institutionellen Investoren gehalten und 20 % von ansässigen Privataktionären. Dieses Aktienverhältnis verspricht nichts Gutes.
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