Kommentar zu Personaldebatten in der Union
Redet auch noch wer über Inhalte?

Armin Laschet zaudert zu viel? Markus Söder zeigt Führungsstärke? Doch wer soll einen CSU-Mann außerhalb Bayerns wählen? Und hat die CDU nicht in Jens Spahn ihre größte Zukunftshoffnung in die zweite Reihe verbannt? Über diese und weitere Fragen lässt sich stundenlang philosophieren. Und alle diese Fragen sind wichtig, denn Personalfragen sind immer auch Machtfragen .

Montag, 06.07.2020, 19:45 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 19:48 Uhr
Bayerns MInisterpräsident Markus Söder (CSU). Foto: dpa

Aber: Halt, Stop! Bis zur Wahl eines neuen CDU-Vorsitzenden und der Kür eines Kanzlerkandidaten der Union ist es noch ein halbes Jahr hin. Wie wäre es da eigentlich, wenn die Herren Bestimmt-, Vielleicht- und Nur-im-Notfall-Kandidaten a) einfach erst einmal ihre Arbeit machten und b) detailliert zu Protokoll gäben, wie sie sich die Zukunft unseres Landes vorstellen. Denn gerade in Corona-Zeiten wollen die Menschen nicht nur wissen, wer sie regiert, sondern auch, wie das konkret aussehen soll.

Zwar ist die Union allen Umfragen zufolge aktuell in einer recht komfortablen Lage. Doch möge sich niemand täuschen: Ein Gutteil der 37 bis 40 Prozent an Wählerzustimmung geht auf das Konto von Kanzlerin Angela Merkel, und die tritt ja nun nicht wieder an. CDU und CSU haben also eine formidable Lücke zu schließen. Und da dürfte pausenloses Personal-Blabla nicht reichen.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 07.07.2020 07:20
Inhalte
Natürlich kann die Union über die "stabilen" Verhältnisse zu ihren Gunsten beim Wahlvolk zufrieden sein.
Es ist schon erstaunlich, dass dieses Wahlvolk der deutschen Politik hinischtlich des drohenden Zerfalls der EU, der finanziellen Folgen der Coronapandemie und damit der unermesslichen Belastung der zukünftigen Generationen, keine Gegenwehr zeigen. Vor allen Dingen, wenn wir feststellen müssen, dass die Milliarden-Jongleure der Finanzindustie nach wie vor exorbitante Gewinne machen und die Armutsschere immer weiter auseinanderklafft. Solange sich Deutschland noch als Kraftzentrum präsentiert, wird es keine Veränderungen in der Gunst des Wahlvolkes geben. Warum soll man also mit neuen Ideen diesen Status gefährden. Doch diese Passisivität wird sich, so ist immer deutlicher zu sehen, furchtbar rächen. Ab 1.7.2020 und darüber hinaus muss Deutschland innerhalb der EU liefern. Denn in Europa - und nur da - liegt der Schlüssel zur erfolgreichen Politik. Dafür braucht es aber innere Stabilität. In Deutschland geht es um die Nettobelastung der Deutschen für die EU. Es geht um EZB-Schulden und Schuldenerlasse, um Milliardenzahlungen für ausländische Banken und andere Staaten. Kurz gesagt, es geht um die Überforderung Deutschlands. Ferner geht es um die Infrastruktur, um Steuergerechtigkeit, um die zukünftige Migration, die Europa und vor allen Dingen Deutschland sehr hart treffen wird. Es geht darum, die Bundesbürger an dem erarbeitenden Mehrwert zu beteiligen. Eine Mammutaufgabe, die Mut braucht.
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