Kommentar zum Tierwohl
Kleiner Schritt auf einem langen Weg

Hört man allen zu, scheint es so: Die Bauern würden ihre Schweine gerne artgerecht halten, können aber keine höheren Preise durchsetzen. Die Verbraucher würden gerne das Fleisch glücklicher Schweine kaufen, bekommen es aber nicht flächendeckend. Die Politik steht dazwischen, will durchgreifen, ohne die Bauern zu belasten oder die Verbraucher zu brüskieren. Die Karre steckt sozusagen im Spaltenboden fest.

Freitag, 03.07.2020, 21:00 Uhr
Eine Sau sitzt in einem Schweinestall in einer engen Box auf dem Spaltenboden neben ihren Ferkeln. Foto: dpa

Die Gefahr der Augenwischerei ist groß. Ein paar Zentimeter mehr Platz pro Tier verbessern das Tierwohl theoretisch, aber nicht merklich. Von Bauern mehr Tierwohl zu fordern, bringt Applaus, aber wenig Nutzen: Wie sollen sie größere Ställe bauen, wenn Erlöse nicht steigen und die Erweiterung gleichzeitig verboten ist?

Die Besinnung auf tiergerechte Haltung ist nicht weniger als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann nur gelingen, wenn alle mitmachen: Landwirte, Verbraucher und eine Politik, die sich nicht mit allzu einfach funktionierendem Etikettenschwindel aus der Affäre zieht. Bundestag und Bundesrat haben Wichtiges beschlossen – wenn auch Übergangsfristen von bis zu 15 Jahren eher lähmen. Jeder Schritt bleibt nur ein kleiner auf einem langen Weg. Aber er muss gegangen werden.

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