Kommentar zu Corona in den USA
Ein amerikanischer Albtraum

Es gibt eine erschütternde Grafik, die in US-Medien nun rund um die Uhr auftaucht: Während die Kurve der Corona-Neuinfektionen in Europa abflacht, steigt sie in den USA von Tag zu Tag steiler in die Höhe . Über 120.000 Corona-Tote gibt es dort schon. Nun die apokalyptische Aussicht des Chefvirologen Fauci, es drohten bald täglich bis zu 100.000 Neuinfektionen: ein amerikanischer Albtraum.

Donnerstag, 02.07.2020, 08:31 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 09:36 Uhr
Präsident Donald Trump verzichtet auf konsequente nationale Strategie zur Krisenbewältigung. Foto: dpa

Es ist ein Totalversagen von Präsident Trump als Krisenmanager. Nach dem ersten Ausbruch in New York hat er viel zu lange gewartet. Auf eine konsequente nationale Strategie verzichtet er. Schlimmer noch: Er ignoriert die Experten. Doch Ignorieren der Fakten ist es nicht allein. Trump hat die Krise für seine politischen Ziele missbraucht, indem er das Verweigern des lebensrettenden Maskentragens symbolisch aufgeladen hat. Frei nach dem Motto: Du bist ein Trump-Fan und „echter“ Amerikaner? Dann bitte keine Maske. Er hat zudem durch den gescheiterten Versuch einer Großveranstaltung seine Wahlkampfziele über das Wohl seiner Bürger gestellt – und die zumeist republikanischen Gouverneure der nun betroffenen Staaten wie Florida, Texas und Arizona (außer Kalifornien, wo ein Demokrat regiert) dazu ermuntert, ihre Länder schnell wieder zu öffnen – zu schnell. Diese haben gerne mitgemacht – und darauf gesetzt, nach der Trump-Methode „Augen zu und durch“ würde es schon irgendwie klappen. Der oft verklärte amerikanische Individualismus entpuppt sich so als grenzenlose Naivität.

Doch Trumps Ausreden für die steigenden Zahlen („Es gibt einfach mehr Tests“) kommen bei vielen seiner Fans nicht mehr an. In den entscheidenden „Swing States“ rutschen seine Werte auch bei weißen Kernwählern in den Keller. Denn die Menschen leiden, ihre Angehörigen sterben, dazu herrscht Arbeitslosigkeit. Es ist so trotz aller Trump-Propaganda unübersehbar, dass es mit der globalen Führungsrolle vorbei ist. Man hat nur noch Mitleid mit den USA.

Trump-Kritiker John Bolton brachte es auf den Punkt: Im Weißen Haus gibt es einen „leeren Stuhl“ – ein echter Präsident fehlt. Herausforderer Joe Biden zeigt gerade, wie es anders geht: „Maske tragen ist verantwortungsvoll, weil es andere schützt ist“ ist sein Credo. Er muss derzeit nicht viel machen, um gegen Trump zu punkten. Die traurige Wahrheit ist: Selbst wenn dieser eine Kehrtwende machen würde – es ist wohl zu spät, um die Folgen seines fatalen Corona-Kurses abzuwenden.

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