Kommentar zum Arbeitsmarkt
Im Herbst sehen wir klarer

Schluss mit der Gesundbeterei: Die Zahl der Arbeitslosen wird wegen der Folgen der Corona-Krise weiter steigen. Wenn die vorübergehende Aussetzung der Anmeldepflicht von Insolvenzen am 30. September endet, sehen wir klarer.

Mittwoch, 01.07.2020, 21:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Im Gegensatz zum Chef der Arbeitsagentur, der die Zahlen schönzureden versucht, spricht die Kanzlerin Klartext. Was sie selten tut. Und wenn sie es tut, dann sollte man wissen, was die Stunde geschlagen hat. Die Zeiten werden nicht besser. Auch wenn das Instrument der Kurzarbeit bislang Schlimmeres verhindert.

Wenn aus Kurzarbeit und Insolvenzen Arbeitslosigkeit wird, dann ist zu befürchten, dass es nicht beim Überschreiten der Drei-Millionen-Marke bleibt. Steigende Arbeitslosenzahlen haben Einfluss auf fast alles: auf die Steuereinnahmen, die Sozialkassen, das Konsumklima und die Gesellschaft als Ganzes.

Und vielleicht auch auf die Wahl des CDU-Vorsitzenden und möglichen Kanzlerkandidaten. Sollte die Arbeitslosenzahl am 4. Dezember deutlich über drei Millionen liegen, dann könnte beim CDU-Bundesparteitag in Stuttgart der Moment eines Wirtschaftspolitikers kommen: Friedrich Merz.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 02.07.2020 06:52
Arbeitsmarkt
"Klarer sehen", wenn ein wesentlicher Teil der Arbeitslosen nicht erwähnt wird. Fakt ist, dass nicht mit exakten Zahlen, sondern mit "Schätzungen" und" Hochrechnungen" gearbeitet wird. Völlig "vergessen" werden jene Millionen von Deutschen, die aus Angst oder aus Scham auf Leistugen verzichten, obwohl sie ihnen zustehen würden.
Fakt ist auch, dass ein grosserTeil der Arbeitslosen auf Anweisung von der Politik nicht in die Statistik aufgenommen werden. Wie sagte einst ein Sprecher der BA: "Jeder könne sich aus dem Zahlenwust der Agentur herauslesen, was er wolle, die BA zähle jedenfalls so".
Wir haben in Deutschland ca. 7 Millionen Leistungsbezieher.
Was ist mit den Beziehern von Wohngeld, Kinderzuschlag, Grundsicherung im Alter und/oder Sozialhilfe. Was ist mit den Millionen von "Unterbeschäftigten" und denen, die in Massnahmen untergebracht sind oder den Minijobbern? Was ist mit den 3,1 bis 4,9 Millionen, die laut institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) überhaupt keine Leistungen beantragen?
Wenn jetzt noch mehr Arbeitslosigkeit aus den Kurzarbeiterverhältnissen oder aus betriebsbedingten Kündigungen hinzugerechnet werden müssen, die durch den Konjuntureinbruch hervorgerufen werden, dann haben wir in Deutschland eine Gesamtzahl von Arbeitslosen zwischen 15,7 und 17,5 Millionen.
Auf die Zahl der Erwerbsfähigen gerechnet, liegt die Arbeitslosenquote dann im zweistelligen Bereich.
Total 1 comments
Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7476815?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker