Kommentar zur Lage der Bekleidungshersteller
Lust auf Mode kommt zurück

Volle Kleiderschränke dürften auch nach der Corona-Krise die Regel sein. Niemand muss in Deutschland unbekleidet gehen, auch wenn die Geschäfte einmal wochenlang geschlossen bleiben. Wohl deshalb leiden der Fachhandel und mit ihm die Hersteller aktuell so sehr unter den Einschränkungen, die die Wirtschaft zur Eindämmung der Pandemie auf sich nehmen musste – und weiterhin noch muss.

Dienstag, 02.06.2020, 19:31 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 19:34 Uhr
Florian Frank, Finanzchef und Vorstand für Restrukturierung bei Gerry Weber.

Übung im Krisenmodus

Dass ein Unternehmen, das wie die Gerry Weber International AG sich gerade aus einer schweren Krise kommend Anfang März etwas Luft verschafft hatte, davon in besonderer Weise betroffen ist, wird niemanden wundern – am wenigsten die Beschäftigten selbst. Immerhin haben Vorstand und Betriebsrat, Anteilseigner und Kreditgeber schon Übung im Krisenmodus. Das hört sich zynisch an, kann aber in einer Situation, in der andere Unternehmen „Restrukturierung“ erst lernen müssen, von Vorteil sein. Es sollte nicht wundern, wenn Vereinbarungen, wie sie jetzt in Halle getroffen wurden , schon bald noch bei einigen anderen Herstellern und Händlern verhandelt werden müssen. Genau genommen hat das schon begonnen.

Die Menschen sind nicht vollkommen anders geworden

Allgemein gilt: Bekleidung ist Notwendigkeit, Mode ist Lust. Diese Lust auszuleben, steckt in den meisten Menschen. Und sie kann, wie früher nach schlimmen Kriegen, durch und vor allem nach der Pandemie sogar neuen Schub erhalten. Noch hält sich der Shopping-Trend in Grenzen. Das sollte auch noch eine Weile so bleiben. Die Probleme aber, die sich mancherorts in Deutschland den Behörden bei der Überwachung der Maßnahmen gegen das Corona-Virus zunehmend stellen, zeigen bereits, dass die Menschen nicht vollkommen anders geworden sind.

Ein Selbstläufer wird die Lust auf Mode für die Hersteller trotzdem nicht. Gesucht war in dieser Hinsicht in der Vergangenheit nach großen Krisen weniger das Gewohnte und vielleicht sogar Biedere, das Edle und das Normale; gesucht war vielmehr das Freche, das Bunte, das Neuartige. Gerry Weber ist als Marke eingeführt. Aber ob sie das Bedürfnis nach Neuem erfüllen kann, muss man sehen.

Auf der anderen Seite könnte es diesmal auch ganz anders laufen. Wer weiß das schon? Und wenn nicht: Dann hat die Mode-AG in Halle mit Taifun eine Zweitmarke, die Potenzial nach oben hat. Den Beschäftigten und der Textilregion Ostwestfalen ist es zu wünschen.

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