Kommentar zum Kampf gegen Corona
Global denken – lokal handeln

Bekämpfung des gefährlichen Coronavirus ist eine globale Angelegenheit. Auch wenn irgendwann mal Impfstoffe und Medikamente zur Abmilderung der gesundheitlichen Folgen zur Verfügung stehen, kann sich Covid-19 aus jedem Winkel der Welt schnell wieder ausbreiten, solange es nicht überall mit Erfolg bekämpft wird. Da mutet es zunächst fremd an, wenn Deutschland den Weg nicht ins Globale, nicht ins Europäische, nicht ins Nationale, sondern ins Regionale und Lokale geht.

Montag, 11.05.2020, 21:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Ist es mehr als ein Handeln nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum im Umgang mit einem in seinen Dimensionen ungeahnten Problem? Etwa nach dem Motto: In einer ersten Phase haben wir ein ganzes Land runtergefahren, um Problembewusstsein zu schaffen und uns Zeit für den Ausbau der Intensivmedizin zu kaufen, nun kommt es darauf an, dass wir uns auf die Hotspots konzentrieren? Und ist nicht ein Kirchturmdenken ein riskantes Unterfangen in einer Zeit, in der die Menschen eben nicht in ihrem Sprengel bleiben, sondern mobil über die Grenzen ihrer Dörfer, Kreise und Städte unterwegs sind? Was nutzt es, das Leben in einem Landkreis herunterzufahren, während infizierte Menschen auch im Nachbarkreis und darüber hinaus unterwegs sind und die Leute anstecken?

Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts schwören immer mehr Akteure auf das amerikanische Sprichwort „global denken – lokal handeln“. Gerade in der Virusbekämpfung lassen sich zwar abstrakte überregionale Vorkehrungen treffen, doch konkret wird es bei den einzelnen Infizierten, ihren Familien, Nachbarn, Freunden. Dann muss das Gesundheitssystem lokal reagieren.

Dass die Städte und Gemeinden sich aus rechtlichen Gründen schwer damit tun, auf mobile Einsatzteams des Bundes zuzugreifen, passt zur Verfassung, die es dem Bund verbietet, die Länder zu umgehen. Aber es passt nicht zu einem pandemischen Katastrophenfall.

Hier muss mehr in Reserven, Netzwerken, Bereitschaften gedacht, die strenge Verwaltungstrennung zwischen Werktag und Wochenende gelockert und auch die starren Vorgaben von Bund und Ländern für die kommunalen Behörden aufgegeben werden.

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