Kommentar zu Corona und den Schlachthöfen Fehler im System

Die mehr als prekären Umstände, unter denen zahlreiche Mitarbeiter in Schlachtbetrieben ihrer schweren Tätigkeit nachgehen müssen, haben durch die jetzt bekannt gewordenen Corona-Infektionen im Westfleisch-Werk von Coesfeld eine allgemein-gefährliche Relevanz erhalten. Dabei geht es nicht um die Lebensmittelsicherheit, sondern darum, dass es offenbar neue Corona-Hotspots von bisher ungeahnter Dimension geben könnte.

Von Frank Polke
Auch im Schlachthof des Betreibers Vion in Bad Bramstedt hat es positive Corona-Fälle gegeben.
Auch im Schlachthof des Betreibers Vion in Bad Bramstedt hat es positive Corona-Fälle gegeben. Foto: Carsten Rehder/dpa

Einer Firmenleitung darf es moralisch und wohl auch juristisch nicht gestattet sein, Verantwortung für gefährliche und hygienisch unhaltbare Zustände in den Betrieben oder bei der Unterbringung der Mitarbeiter mit Verweis auf Subunternehmer weg zu delegieren.

Auch der Verweis auf enge Margen im Handel oder das niedrigere Preisniveau bei Fleisch darf für die Branche kein Argument sein, die Aufsichtspflicht zu verletzen. Dies gilt im Regel- und Normalbetrieb – aber umso klarer sollte allen diese Pflicht in Zeiten einer Pandemie sein.

Dabei ist es mehr als eine lässliche Petitesse, dass diese Lücken im Kontrollsystem einen ganzen Kreis beim wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufholen der ohnehin großen Schäden behindert. Schlimmstenfalls könnte das auch in OWL drohen.​

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