Kommentar zum Wiederbeginn der Bundesliga
Brot und (Geister-)Spiele

Die Kontaktbeschränkungen für die Bevölkerung bleiben bis zum 5. Juni bestehen – mindestens. Der Vollkontaktsport Fußball aber darf ab Mitte Mai den Betrieb wieder aufnehmen. Darauf muss man erst mal kommen.

Mittwoch, 06.05.2020, 18:55 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 19:02 Uhr
Ein Mann schaut auf den Monitor seines Computers, auf dem Christian Seifert, Geschäftsführer und Präsidiumssprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL), während einer Live-Video-Pressekonferenz nach der Mitgliederversammlung der DFL zu den Folgen der Corona-Pandemie zu sehen ist. Foto: Guido Kirchner/dpa

Gleichwohl, eine Überraschung ist die Entscheidung der Politik nicht mehr. Allen voran Gesundheitsminister Jens Spahn, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (beide CDU) und CSU-Chef Markus Söder hatten zuletzt ja kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um den Fußballern eine Brücke zu bauen dahin zurück, wo sie herkommen: in ihre Parallelwelt.

Das mögen Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, und auch viele andere begrüßen. Es ändert aber nichts daran, dass der Lieblingssport der Deutschen gerade mit einem akuten, bisher nicht gekannten Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen hat.

Alarmsignale ausgeblendet

Zehn Corona-Fälle bei den ersten Testungen. Quarantäne bei Erzgebirge Aue. Dazu der erschreckend lasche Umgang mit den Hygiene-Vorschriften bei Hertha BSC. Kanzlerin und Co. haben diese Alarmsignale ausgeblendet bei ihrer Entscheidung, die Bühne für das Milliardengeschäft wieder frei zu geben.

Da muss sich niemand mehr wundern, wenn prominente Sportler aus anderen Disziplinen reihenweise ihr Unverständnis zum Ausdruck bringen darüber, dass der Fußball (wieder mal) eine Sonderbehandlung erfährt.

Man darf gespannt sein, was die DFL nun daraus macht. Ihre Empfehlung an die Vereine, Corona-Testergebnisse nicht an die Medien zu kommunizieren, sondern dies dem Verband zu überlassen, darf getrost als Maulkorb für die Klubs gewertet werden. Und wirft die Frage auf, ob hier jemand etwas zu verbergen hat.

Transparenz wird nicht groß geschrieben

Dies und das nur kleckerweise Bekanntwerden der positiv getesteten Fälle erweckt absolut nicht den Eindruck, dass Transparenz künftig groß geschrieben wird.

Wie unsouverän zudem Klubs auf von Spielern öffentlich geäußerte Bedenken zur möglichen Saison-Fortsetzung reagiert haben, wirft zusätzliche Fragen auf.

Alles das lässt den dringenden Verdacht zu, dass sich die jüngsten Demutsbekundungen diverser Fußball-Funktionäre am Ende doch nur als Lippenbekenntnisse entpuppen werden.

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