Kommentar zur Impfstoff-Geberkonferenz
Eine Welt gegen das Virus

Es war der tiefe Schock, dass das für völlig undenkbar Gehaltene nicht nur möglich, sondern auch nötig wurde, was der Politik ihre sonst üblichen Rituale entriss. Nahezu jeder Staats- oder Regierungschef, der am Montag bei der Geberkonferenz das Hohe Lied auf die globale Zusammenarbeit sang, hatte am Anfang der Coronavirus-Krise reagiert, wie es eigentlich längst als überwunden galt: Grenzen schließen, protektionistische Abschottung, Einigeln und alle Reserven horten.

Montag, 04.05.2020, 21:00 Uhr
Emmanuel Macron (rechts), Präsident von Frankreich, und Jean-Yves le Drian (Mitte), Außenminister von Frankreich, nehmen im Pariser Elysee-Palast an der internationalen Online-Geberkonferenz teil. Foto: dpa

Doch nun hat eine neue Phase begonnen – völlig unabhängig davon, ob der Lockdown schon gelockert oder erst noch ersehnt wird. Denn alle Staatenlenker begreifen, dass dies keine Krise ist, die man alleine und schnell lösen kann. Und dass jede Lösung nur gemeinsam möglich ist. Es hilft nichts, wenn das Virus in einigen Ländern besiegt wurde, es sich aber in anderen weiter ausbreitet. Wie auch immer die Normalität von morgen aussieht, es wird sie erst geben, wenn genügend Tests, ein Impfstoff für alle und Medikamente verfügbar sind.

Verantwortliche sind zusammengerückt

Die gestrige Geberkonferenz hat neben viel Geld für Forschung, Entwicklung und Produktion vor allem eines gebracht: Die Verantwortlichen der Länder sind zusammengerückt und haben – mit wenigen unbegreiflichen Ausnahmen – signalisiert, dass der Weg aus dem Stillstand nur gemeinsam zu schaffen ist.

Dabei wäre es viel zu früh, wollte man von einem Aufbruch sprechen. Ja, es ist beeindruckend, wie viele Forscher längst an geeigneten Präparaten zur Behandlung und zur Prävention arbeiten.

Vielversprechende Ansätze

Aber wer nach Anzeichen für einen schnellen Durchbruch sucht, bleibt auf der Strecke. Es gibt vielversprechende Ansätze, sogar Hoffnung und vor allem Indizien dafür, dass ein geeigneter Impfstoff am Ende nicht zum großen Marktschlager nur eines Konzerns und zur Hilfe für lediglich eine Nation wird, sondern dass auch die Industrie zusammenarbeiten und vor allem weltweit ein solches Gegenmittel produzieren wird, um es allen zu verabreichen – auch jenen, die es nicht bezahlen können.

Dazu werden die starken Staaten tiefer in die Tasche greifen müssen, allen eigenen Problemen zum Trotz. Aber wer glaubt, er könne seine Schwierigkeiten für sich alleine überwinden, irrt. Wer sich der solidarischen Seite der Globalisierung verweigert, bezahlt.

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