Kommentar zum Loveparade-Prozess Drama ohne Ende

Für die Opfer und die Hinterbliebenen ist diese Entscheidung kaum ertragbar: Die Einstellung des Loveparade-Verfahrens bedeutet für sie ein neuerliches Drama, weil es auch zehn Jahre nach der Katastrophe von Duisburg keinen greif­baren Schlusspunkt gibt. Dass es keine abschließende Aufarbeitung durch die Justiz geben wird, kann nicht befriedigen.

Von Hilmar Riemenschneider
Das Foto zeigt die Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg.
Das Foto zeigt die Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Dabei ergeht es den Richtern vermutlich kaum anders: I ndem sie die bisher zusammengetragenen Erkenntnisse zusammenfassen und damit auch die Verantwortung einzelner Personen und Institutionen verbinden, sorgen sie dafür, dass niemand den eingestellten Prozess als Freispruch werten kann. Vielmehr wird deutlich, dass es mehr Verantwort­liche gab, als auf der Anklagebank Platz genommen haben. Und dass die Loveparade auf der Duisburger Industriebrache, wo 21 junge Menschen starben und mehr als 650 verletzt wurden, nie hätte stattfinden dürfen.

Das Fiasko der Duisburger Loveparade prägt bis heute jede Großveranstaltung, nicht nur in NRW. Die Lehren aus Behördenversagen und nie zugegebenen Fehlern der Polizei haben Konsequenzen ausgelöst. Immerhin. Und doch ist das nicht genug. Jetzt rächt sich, dass ein Untersuchungsausschuss des Landtags 2010 aus parteipolitischen Interessen nicht zustande kam. Heute käme dieser zu spät. Trotzdem liegt es jetzt wieder in der Verantwortung des Landtags, die Aufarbeitung zu einem Ende zu bringen. Den Opfern schuldet er zumindest einen politischen Schlusspunkt.

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