Kommentar zu Ostern ohne Gottesdienst
Muss das wirklich sein?

Ostern, das höchste Fest der Christenheit. Die Erlösungsgeschichte wird vollendet – aber nicht in den Kirchen. Die Ostergottesdienste fallen wegen der Corona-Pandemie aus.

Freitag, 10.04.2020, 09:51 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 11:06 Uhr
Illustration. Foto: Damian Dovarganes/AP/dpa

Muss das wirklich sein? Diese Frage umtreibt nicht nur Gläubige, für die der Kirchgang an Ostern zu ihrem Leben gehört. Auch in Gemeinden gibt es Widerstand gegen diese Entscheidung.

Der Eindruck, dass die Amtskirchen viel zu schnell und viel zu bereitwillig die Ostergottesdienste abgesagt haben , verfestigt sich. Ganz gewiss hätten sich genug Freiwillige gefunden, um die Gläubigen auf die Abstandsregeln hinzuweisen und Sitzplätze anzuweisen. Und auch die Anzahl der Besucher wäre wohl überschaubar geblieben.

Womit die Kirchen Recht haben: Die Mehrheit ihrer Zielgruppe gehört zur Corona-Risikogruppe der Älteren. Allerdings dürfte diese Zielgruppe durch digitale Ersatzangebote (Videos von Pfarrern, Podcasts von Kirchenmusikern) kaum so viel von der Osterbotschaft erfahren wie im Gottesdienst.

 

Mehr zum Thema:

Lesen Sie dazu auch das Interview mit Annette Kurschus, der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen , sowie das Interview mit dem Paderborner Moraltheologen Peter Schallenberg .

Kommentare

Wolfgang Dzieran  wrote: 11.04.2020 22:01
Kirchenbesucher?
Ich finde es sehr gut, dass gerade die Amtskirchen das Gottesdienstverbot so schnell akzeptiert haben. Die Zeiten, in denen die Kirchen sich gegen die Erkenntnisse von Wissenschaft und Vernunft gestellt haben, gehören hoffentlich der Vergangenheit an. (Mal ganz abgesehen davon, dass zum Beispiel bei uns in Bad Lippspringe die Gottesdienste regelmäßig so voll sind, dass wir - wenn wir die 1,5 Meter Abstand in der Kirche einhalten wollten, wir die Zahl der Gottesdienste schnell verdreifachen müssten).

Gottesdienst kann man auch durchaus zuhause in der Familie oder im kleinen Kreis, ja selbst ganz allein feiern. Und übers Internet gleichzeitig trotzdem mit vielen anderen Christen sogar weltweit verbunden bleiben!

Außerdem drückt sich christlicher Glaube nicht allein durch feierliche Gottesdienste aus. Das tägliche Handeln, die Frage ob wir unseren Nächsten wirklich lieben und deshalb in diesen Zeiten auch genug Abstand halten ist doch viel wichtiger als jede Feier.

Ich habe eher den Verdacht, wer heute unbedingt Ostergottesdienste einfordert, der gibt sich der Illusion hin, dass die Auferstehung Jesu und das Osterlachen alle Sorgen dieser Erde hinwegfegen kann. Nein - so einfach funktioniert christliche Theologie eben nicht. Sie lehrt uns viel mehr, dass wir die Karzeit viel ernster nehmen müssen. Corona wird am 12. April nicht besiegt sein. Wir werden einen sehr langen Karsamstag haben, bis wir wirklich wieder an die Auferstehung und die Erlösung vom Leiden glauben können.

Diesen Weg sollten wir gemeinsam gehen. Und da ist es gut, wenn die Amtskirchen auch weiterhin auf Gottesdienste in der klassischen Form verzichten.

Ich wümsche eine gesegnete Osterzeit!
Tytoalba  wrote: 11.04.2020 19:20
Naja - was MUSS sein...
Zitat:
" Die Mehrheit ihrer Zielgruppe gehört zur Corona-Risikogruppe der Älteren. Allerdings dürfte diese Zielgruppe durch digitale Ersatzangebote (Videos von Pfarrern, Podcasts von Kirchenmusikern) kaum so viel von der Osterbotschaft erfahren wie im Gottesdienst." Stimmt.
Diese Zielgruppe dürfte aber auch schon mal an sog. Gottesdiensten, die sich mit der Osterbotschaft befassen, teilgenommen haben.
Daher könnte die Wahrnehmung eines "Ferngottesdienstes" durchaus Erinnerungen aufrufen. Wenn nicht, dann ist es ...

Es ist schon spannend, wer unter welchen Bedingungen und Interessen sich zu Wort meldet und fragt: "muss das wirklich sein?"
Gelte auch die Frage: "Muss der Ostergottesdienst real in der Kirche wirklich sein?" Es soll Menschen geben, die erleben den nie, nicht mehr - weil krank und dement -, können sowieso, weil gelähmt oder bettlägerig nicht hin, haben kein Interesse daran oder, oder, oder.

Könnte man nicht auch einfach die momentanen Fakten gelten lassen, die darauf beruhenden Entscheidungen akzeptieren und dann, wenn die Sache vorbei ist und unter Auswertung der dann vorhandenen Erkenntnisse diskutieren, ob in einem ähnlich Fall in Künfte womöglich andere Entscheidungen richtiger wären?
Ich empfinde solche Fragestellungen wie hier auf keinen Fall neutral, sondern manipulativ.
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