Kommentar zur Nato im Anti-Corona-Einsatz Ein neuer Bündnisfall

Spät, fast zu spät besinnen sich die europäischen Staaten auf die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Nato , die auch im Kampf gegen das tückische Coronavirus eine hilfreiche Rolle spielen kann – und bislang nicht spielen durfte.

Von Elmar Ries
Tschechien hat 20.000 Schutzanzüge an Spanien und Italien gespendet. Hier Außenminister Tomas Petricek vor den Kisten.
Tschechien hat 20.000 Schutzanzüge an Spanien und Italien gespendet. Hier Außenminister Tomas Petricek vor den Kisten. Foto: dpa

Italien und Spanien, die besonders unter der viralen Pandemie leiden, brachten das Bündnis endlich ins Spiel, weil sie sich ohne dessen Hilfe inzwischen auf verlorenem Posten wähnen. Krieg, Kampf und Verteidigung werden nicht mehr nur als das Aufeinanderprallen verfeindeter Armeen verstanden. Krieg, Kampf und Verteidigung sind längst mutiert, spielen auch im Cyber-Raum eine Rolle – und finden jetzt auch auf dem Feld der Gesundheit statt.

Gut also, dass sich die Nato nicht gegen Einsätze an der ihr bislang unbekannten Front sperrt – und die Staaten die Hilfe ohne Scheu einfordern. Armeen können Logistik, zudem verfügen sie über umfangreiche Ressourcen. Beides ist an Tagen wie diesen viel wert. Folglich ist es hilfreich und entlastend für die Regierungen, wenn die Nato-Zentrale in Brüssel die Bitten um Hilfsgüter koordiniert und deren Transport organisiert.

Partner in der Not

Das Material stellen müssen nach wie vor die Länder. So schickte Tschechien Schutzanzüge und Muster für Beatmungsmasken, die von 3-D-Druckern hergestellt werden können, mit Hilfe der Nato nach Italien. Spanien bat in Brüssel um Schutzanzüge, Masken und Tests für den Infektionsnachweis.

Möglich werden diese zivilen Einsätze der Militärs durch einen Zivilschutzmechanismus, der 1998 ins Leben gerufen wurde. Das Euro-Atlantic Disaster Response Coordination Centre verbindet die inzwischen 30 Nato-Staaten mit den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten und weiteren Partnern. Auf der Katastrophenschutz-Ebene wurden so aus früheren Feinden vielleicht nicht Freunde, aber doch Partner in der Not.

Auch das ist eine sinnträchtige Erweiterung des Verteidigungs- und Bündnisbegriffs. Und das Verfahren funktioniert offenbar verlässlicher als ähnliche Mechanismen der EU. Über diese Schiene hatten Spanien und Italien keine Hilfe erfahren. Mag sein, dass das Solidaritätsprinzip bei Nato und Co. eher greift als im EU-Staatenverbund, schließlich ist der Beistandsgedanke in Verteidigungsbündnissen grundgelegt.

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Bündnisfall

Corona-Pandemie, was für eine Chance für die Nato? Der Erzfeind Russland hilft anderen Ländern gegen das Coronavirus. was in den Köpfen der atlantischen Partner Kopfzerbrechen hervorruft. Stattdessen wirft man Russland Propaganda vor. Und Trump dankt den Russen für die "gross Hilfe". Aber wenn schon die westlichen Politik-Eliten versagen, dann ist es legitim, dass der Bündnisfall eine neue Definition erhält.

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