Kommentar zur Bischofskonferenz
Kirche ist nicht untätig

Vor einigen Monaten hat der Limburger Bischof und nun neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, die katholische Kirche als „Täterorganisation“ bezeichnet. Das drastische Wort wählte er, um das erschreckende Ausmaß des Missbrauchsskandals deutlich zu machen. Nicht nur individuelle Täter haben schreckliche Verbrechen begangen, dahinter gab es auch ein System von Verharmlosung, Verachtung und Vertuschung, welches zu dieser fundamentalen Zer- rüttung der katholischen Kirche – nicht nur in Deutschland – geführt hat.

Donnerstag, 05.03.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 05:50 Uhr
Kardinal Reinhard Marx (links), scheidender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, und Georg Bätzing, Bischof von Limburg und neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: dpa

Wenn die Kirche aber tatsächlich nur und ausschließlich eine „Täterorganisation“ wäre, dann müsste man sie zerschlagen, verbieten und das verbliebene Vermögen aufteilen. Eine unabhängiges Expertengremium unter der Führung des Opfervertreters Matthias Katsch hatte im Herbst zwar nicht die Auflösung der Kirche vorgeschlagen, doch die Ideen zur Opferentschädigung folgten fast dieser Logik. Das Modell sah vor, jedem Betroffenem nach einer Plausibilitätsprüfung bis zu 400.000 Euro zu zahlen. Es kursierte die Summe von insgesamt einer Milliarde Euro, die möglicherweise ausgeschüttet werden sollte. Dies hätte aus den Kirchensteuern mit­finanziert werden müssen, wogegen sich zu Recht Protest meldete. Nun haben die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung Grundsätze für ein neues Verfahren zur Zahlung von Schmerzens­geldern ver­abschiedet . Es orientiert sich an staatlichen Sätzen, was richtig ist.

Kirche darf eben keine Sonderwelt sein. Pro Person sollen bis zu 50.000 Euro aufgewendet werden können. Ins­gesamt wird mit einer Summe von 100 Millionen Euro gerechnet. Das schreckliche Leid und die oft lebenslangen Verletzungen sind nie durch Geld wieder gutzumachen, auch nicht durch noch so hohe Zahlungen. Vielmehr muss individuell auf Betroffene eingegangen werden.

Forderung des „Eckigen Tischs“ ist überzogen

Katsch und der „Eckige Tisch“ klagen nun, die Kirche sei nicht bereit, „für ihre Verbrechen die Verantwortung zu übernehmen“. Das ist überzogen und trotz aller berechtigten Empörung über das Geschehene nicht angemessen. Keine andere gesellschaftliche Gruppe hat sich bislang dem Thema Missbrauch ähnlich intensiv angenommen wie die Kirche. Na klar, zu Recht! Aber ihr Untätigkeit nachzusagen, ist unfair. Die Kirche ist eben auch die Gemeinschaft der Gläubigen. Sie ähnele manchmal eher einer „Familie“, sagte Bischof Bätzing am Donnerstag. Sie ist eben nicht nur eine „Täterorganisation“. Und das bedeutet: Wegen der Verbrechen in der Führungsebene darf nicht jedes Mitglied in Mithaftung genommen werden.

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