Kommentar zum „Super Tuesday“
Joe Biden erfindet sich neu

Biden is back! Was für eine Achterbahnfahrt. Noch vor einer Woche galt der ehemalige Vizepräsident als schläfriger Großvater-Typ, der vom revolutionären Pathos eines Bernie Sanders regelrecht überrollt wurde. Dann kam die Vorwahl in South Carolina, wo er von den dort stark vertretenen schwarzen Wählern wieder aufs Schild gehoben wurde. Sie haben nicht vergessen, dass er acht Jahre lang an der Seite Barack Obamas gedient hat.

Donnerstag, 05.03.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 11:54 Uhr
Oakland: Joe Biden, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur. Foto: Tony Avelar/AP/dpa

Doch auch die Führung der Demokraten sorgte dafür, dass der „Super Tuesday“ der Tag von Bidens großem Comeback wurde : Sie hat auf die Mitbewerber Amy Klobuchar und Pete Buttigieg eingewirkt, ihre Kandidaturen aufzugeben, damit die moderaten Wähler sich hinter Biden versammeln können.

Joe Biden hat an sich gearbeitet

Er selbst hat wiederum stark an sich gearbeitet. Sein Wahlkampf bekam zuletzt einen sehr persönlichen Einschlag. In seinen Reden offenbarte er sich als gefühlvoller Gegencharakter zum dauer-twitternden Poltergeist Donald Trump.

Doch auch Sanders schlägt sich weiter gut – besonders im liberalen Kalifornien, wo er junge Wähler und Latinos um sich scharte. Nach den ersten erfolgreichen Vorwahlen erhofften sich seine Anhänger aber mehr. Doch der Triumph im Süden – vor allem in Texas – blieb ihm versagt. Jetzt ist es ein Zweikampf zwischen den beiden alten Granden Joe Biden und Bernie Sanders.

Es gibt auch Verlierer: Zuerst ist das der Milliardär Michael Bloomberg, der spät in den Wahlkampf eingestiegen ist. Er landete weit hinter den Favoriten. Es zeigt sich, dass das große Geld allein nicht reicht, um Präsident zu werden. Dass er nun aufgibt, hilft Biden.

Keine Frau mehr im Rennen

Auch Elizabeth Warren vom linken Flügel kann nicht mehr aufschließen. Hört sie auf, wäre keine Frau mehr im Rennen. Sie sind ohnehin die Verlierer bei den Demokraten. Offenbar stellen sie ihre eigenen Ambitionen hintan, um das Hauptziel, Trump zu schlagen, zu erreichen. Wem immer dies zugetraut wird – er wird unterstützt.

Bis zur endgültigen Entscheidung ist es ein langer Weg. Während Trumps Republikaner vasallengleich hinter ihm stehen, sind die Demokraten zwischen Aktivisten und Moderaten gespalten. Es bleibt spannend. Aber Spannung, womöglich bis zum Parteitag im Juli, ist nicht das, was die Demokraten jetzt brauchen. Klarheit und Stabilität wären besser. Dafür steht Joe Biden.

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