Kommentar zum ersten Coronafall in OWL
Ein mulmiges Gefühl

Ein älterer Mann, der mit Erkältungssymptomen zum Arzt geht und offenbar eher beiläufig getestet wird: Der erste amtlich mitgeteilte Coronafall in Ostwestfalen-Lippe gibt Rätsel auf.

Donnerstag, 05.03.2020, 09:24 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 09:32 Uhr
Düsseldorf: Ein Mann desinfiziert sich die Hände im Wartebereich. Foto: Fabian Strauch/dpa

Zugleich haben sich all die Verdachtsfälle im Kreis Paderborn, für die es ja durchaus plausible Erklärungen für eine mögliche Ansteckung gegeben hätte, in Luft aufgelöst. Die Entwicklung in Ostwestfalen-Lippe zeigt symptomatisch, dass das neue Virus eben alles andere als berechenbar ist.

Statistisch gesehen war ein solcher Fall in der Region zu erwarten. Und statistisch gesehen hat sich das Infektionsrisiko dadurch nicht verändert. Ein mulmiges Gefühl aber stellt sich doch ein, wenn es sich bei Nachweisfällen nicht mehr in erster Linie ums Rheinland dreht.

Noch immer besteht allerdings kein Anlass zu Hamsterkäufen – die waren von Anfang an unnötig und schüren nur die Hysterie. Doch sollte Hygiene mehr denn je ernst genommen werden. Denn das Virus ist und bleibt hoch ansteckend.

Es geht nicht nur um den Eigenschutz

Dabei geht es in erster Linie weiterhin ja nicht so sehr um den eigenen Schutz. Wer keine Vorerkrankungen hat, dürfte eine Infektion locker wegstecken. Es geht um den Schutz der Gemeinschaft – und die Aufrechterhaltung des Gesundheitswesens. Dutzende und Aberdutzende Corona-Patienten auf einmal: Das brächte vermutlich selbst das neu errichtete Diagnose- und Behandlungszentrum des Klinikums in Minden an seine Grenzen.

Schon schlagen Hausärzte und Kliniken Alarm: Es fehlt bereits jetzt massiv an Schutzausrüstung – und das, bevor die erwartete Infektionswelle überhaupt richtig angeschwollen ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein NRW-Kollege Karl-Josef Laumann (beide CDU) ordern nun auf einmal in großem Stil Nachschub – hoffentlich ist der auf dem Weltmarkt überhaupt noch zu bekommen.

Vorsorge kostet Geld

Es ist wohlfeil, auf Kliniken und Praxen zu schimpfen, die nicht genügend Vorsorge getrieben hätten. Im Gesundheitswesen wird mittlerweile jeder Cent dreimal umgedreht. Da ist es blauäugig zu glauben, dass in irgendwelchen Vorratsschränken Material gehortet wird. Wenn die Politik das wünscht, dann muss sie das klar formulieren – und bezahlen.

Vielleicht ist die Corona-Pandemie ein guter Anlass dafür, die Risikovorsorge im deutschen Gesundheitswesen doch noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Nur für den Fall, dass sich eines Tages eine noch sehr viel gefährlichere Infektionskrankheit ausbreiten sollte.

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