Kommentar zum CDU-Vorsitz Auch eine Frage des Stils

Es ist ein vergiftetes Lob: Armin Laschet stehe für „Kontinuität“, sagt Frie­drich Merz. Das klingt nett und ist doch alles andere als nett gemeint, denn der 64-Jährige preist sich selbst mit Begriffen wie „Aufbruch“ und „Erneuerung“. Was nur zeigt: Der Machtkampf in der CDU ist eröffnet und dürfte bis zum Sonderparteitag am 25. April mit durchaus harten Bandagen geführt werden.

Von Ulrich Windolph
Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz (von links) bei der CDU-Landesvorstandssitzung in Düsseldorf am 6. November 2018.
Jens Spahn, Armin Laschet und Friedrich Merz (von links) bei der CDU-Landesvorstandssitzung in Düsseldorf am 6. November 2018. Foto: Federico Gambarini/dpa

Das Schaulaufen der beiden Favoriten auf die Nachfolge der glücklosen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer vor der Bundespressekonferenz hat nachdrücklich gezeigt, dass die CDU erneut vor einer Richtungsentscheidung steht. In der Sache wie im Stil. Die 1001 Delegierten bestimmen zwar fürs Erste „nur“ ei­nen Vorsitzenden und doch müssen sie kühl abwägen, wer als Kanzlerkandidat in spe bei einer Bundestagswahl die größten Chancen hätte. Denn noch einen Fehlversuch darf sich die letzte verbliebene deutsche Volkspartei nicht leisten.

Der erste Punktsieg ging dabei an Laschet. Er kam Merz mit seinem Auftritt nicht nur zeitlich zuvor, sondern hatte auch noch Jens Spahn an seiner Seite. So stellte der NRW-Ministerpräsident gleich das in den Mittelpunkt, was er in den Mittelpunkt gestellt wissen will: Teamfähigkeit und den Willen zur Integration – und zwar in der eigenen Partei, in der Union mit der Schwesterpartei CSU wie auch in der Gesellschaft.

Ein Talent, mit dem Merz nur bedingt dienen kann und will. Merz will anführen. Und so ließ er sich erneut nicht darauf festnageln, dass er sich nach einer möglichen Niederlage fügen und weiter mitarbeiten werde. Heißt im Merz-Sprech: „Ich spiele auf Sieg und nicht auf Platz.“ Dabei bleibt die Phantasie seiner Anhänger die stärkste Waffe, die Merz zu bieten hat. Mit dem Sauerländer sollen die „guten, alten Zeiten“ zurückkommen – was immer damit auch gemeint sein mag.

Laschet und Spahn hingegen glauben mit konkretem Regierungshandeln über Jahre hinweg bewiesen zu haben, was sie können, während Merz das Geschehen allenfalls vom Spielfeldrand aus verfolgt und kommentiert hat. Partei geeint, Wahl gewonnen, erfolgreich regiert – so sieht Laschet sein Wirken in NRW und das soll nun auch Blaupause für die Bundesrepublik sein. Laschet will seinen Kurs verfolgen – und nicht einen Anti-Merkel-Kurs. Merz will das auch – aber sein Kurs ist automatisch ein Anti-Merkel-Kurs. Auch dieses Risiko muss die CDU jetzt taxieren. Denn wer das Ansehen der ewigen Kanzlerin über Gebühr diskreditiert und sie unwürdig behandelt, könnte in der Mitte mehr Wähler verlieren als von der AfD zurückzuholen sind.

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