Kommentar zu den US-Demokraten
Frust und Hilflosigkeit

Eklat im Repräsentantenhaus! Donald Trump verweigert Nancy Pelosi den Handschlag. Und sie zerreißt das Manuskript Trumps. Sicher: Es war eine haarsträubende Rede an die Nation, triefend von Eigenlob und „America First“-Rhetorik. Doch warum lässt sich die mächtige demokratische Ikone auf sein Niveau herab?

Mittwoch, 05.02.2020, 20:05 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 20:12 Uhr
Nancy Pelosi, demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, zerreißt das Manuskript der Rede zur Nation von US-Präsident Donald Trump (rechts), nachdem dieser seine Ansprache gehalten hat. Foto: Susan Walsh/AP/dpa

Die Demokraten sind doch gerade angetreten, dem Amt des Präsidenten mehr Würde zu geben. „When they go low, we go high“, hatte Michelle Obama 2016 als Strategie gegen Trump empfohlen. „Wenn ihr Niveau sinkt, werden wir es erhöhen.“ Alles Schall und Rauch?

Eine Aktion aus dem Frust heraus?

Vielleicht zeigt die Aktion Pelosis nur ihren ganzen Frust. Während Trump das Momentum auf seiner Seite hat, läuft bei den Demokraten nichts rund. Das Impeachmentverfahren verläuft im Sande. Dann das Chaos um die defekte App in Iowa. Und die Ergebnisse des ersten Caucuses zeigen, dass der Weg der Demokraten steinig und schwer bleibt. Pete Buttigieg und Bernie Sanders hatten die Parteistrategien nicht ernsthaft auf dem Schirm. Beide sind für das demokratische Establishment Hochrisiko-Kandidaten. Denn der linke Sanders könnte moderate Demokraten Trump in die Arme treiben, Buttigieg wiederum hat kaum Rückhalt bei schwarzen Wählern.

Deshalb hatte man auf Joe Biden als demokratisches Zugpferd gehofft. Doch die Basis ruft nach einer echten Erneuerung. Hat die alte Elite um Pelosi diesen Wunsch schon wieder verschlafen?

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