Kommentar zur Bilanz der Bauern
Konzept für die Zukunft der Landwirtschaft

Es braucht neue Vorschläge, neue Wege – und einen enormen politischen Willen. Immer wieder beklagen Naturschützer (und mit ihnen Teile der Öffentlichkeit), dass es so in der konventionellen Landwirtschaft nicht weitergehen kann. Sie verweisen auf Insektensterben, die hohe Nitrat-Belastung des Grundwassers, die teilweise nicht guten Haltungsbedingungen für Tiere. All das ist richtig – beschreibt aber eben nur einen Teil der Wahrheit. Landwirte stehen im knallharten – globalen – Wettbewerb , in dem fast immer der Preis über den Absatz und die Marktchancen bestimmt.

Mittwoch, 08.01.2020, 21:50 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 21:52 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Standards wie artgerechte Tierhaltung, Verzicht auf Antibiotika oder weniger Einsatz von Dünger auf den Feldern spielen dabei in Spanien, Rumänien oder Südamerika eine wesentlich geringere Rolle als in Deutschland. In diesen strukturschwachen Ländern ist die Tierproduktion oft die einzige Möglichkeit, Wertschöpfung zu generieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Doch diese altbekannten Argumente leisten keinen konstruktiven Beitrag zur Lösung der Frage, wie Landwirtschaft in Deutschland eine Zukunft haben kann. Eines ist klar: Namenlose Agrar-Investoren leisten keinen Beitrag zur generationenübergreifenden Struktur der dörflichen Gemeinschaft.

Der ehemalige Landwirtschaftsminister Jochen Borchert erarbeitet ein Konzept, wie sich konventionelle Landwirtschaft mit den veränderten Anforderungen des Umweltund Klimaschutzes vereinbaren lässt. Am Anfang steht die Erkenntnis, dass gerade tierhaltende Betriebe in Deutschland nicht größer werden können. Dafür fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz, dafür fehlt der Platz, dafür ist die nationale Nachfrage zu gering. In Zukunft muss die Qualität an erster Stelle stehen, zu der auch Klima- und Tierschutz gehören und die den Bauern auch dann einen fairen Erlös garantiert, wenn der Verbraucher doch nur auf den Preis schielt.

Dem Staat bleibt die Aufgabe, dieses Projekt steuerlich zu subventionieren – gerade auch für diejenigen, die sich den dann höheren Preis für Fleisch made in Germany nicht leisten können

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 09.01.2020 08:29
Zukunft der Landwirtschaft
Das grösste Problem unserer Landwirtschaft: Sie weis einfach nicht mehr wohin mit der Gülle. 200 Millionen Tonnen Gülle, die eigentlich auf den Acker müssten. Doch die Felder, z. B. im westlichen Niedersachsen und Westfalen reichen einfach nicht aus. Und damit nicht genug. Dazu kommt noch die "Import-Gülle" aus den Niederlanden und Dänemark. Und was ist mit dem Trockenkot der ca. 40 Millionen Legehennen sowie der 600 Millionen Masthähnchen? Dazu kommen noch die Tonnen von Kunstdünger. Diese Probleme müssen in der Zukunft gelöst werden. Dazu noch eine kritische Anmerkung: Warum beachtet die Politik nicht die Chancen der Permakultur? Vielleicht ist es notwendig, dass wir erst einen landwirtschaftlichen Kollaps haben müssen, damit umgedacht wird.
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