Kommentar zur Beschäftigungslage
Arbeiten in einer neuen Welt

Die Zeiten haben sich grundlegend gewandelt. Konjunkturflauten führten in der Vergangenheit immer wieder zu einem drastischen Anstieg der Erwerbslosigkeit. Im Jahr 2020 ist die Lage eine gänzlich andere – aus zwei Gründen: Zum einen erwarten sämtliche Konjunkturexperten nach dem Auslaufen des inzwischen zehnjährigen Aufschwungs nur einen leichten Wachstumsdämpfer. Entsprechend gering sind damit auch die Auswirkungen am Arbeitsmarkt.

Freitag, 03.01.2020, 20:59 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 21:02 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Zum Zweiten gibt es demografische Faktoren, die den Unternehmen auch in wirtschaftlichen Abschwungphasen einen anhaltenden Fachkräftemangel bescheren. Zahlreiche Betriebe – zurzeit vor allem im deutschen Maschinenbau – beklagen in einem Atemzug eine Exportschwäche und ein Defizit an qualifizierten Mitarbeitern.

Dennoch gibt es strukturelle Umbrüche, die in den kommenden Jahren zahllose Menschen aus dem Arbeitsmarkt drängen. Neben dem hohen Digitalisierungstempo in fast allen Branchen trifft insbesondere die Autoindustrie und ihre Zulieferer ein gravierender Wandel der Arbeitswelt. Der Verteufelung der Verbrennungsmotoren, also die Wende zu deutlich mehr E-Mobilität, wird viele Tausend Stellen kosten.

Zum Teil können die betroffenen Mitarbeiter sicher einen Job im Handwerk finden. Doch ohne Einkommenseinbußen wird das nicht möglich sein.

Das Wohl und Wehe anderer Branchen hängt von zahlreichen politischen Faktoren ab. Schlimmster Unruhestifter ist und bleibt Donald Trump – zumindest bis zur amerikanischen Präsidentschaftswahl im Herbst. Handelskriege mit Europa und China, politische, wenn nicht sogar kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Iran und Nordkorea – die Liste der potenziellen Risiken ist lang. Hinzu kommt der bevorstehende Brexit, dessen Modalitäten noch längst nicht ausgehandelt sind.

All diese Risiken machen nachvollziehbar, dass die Unternehmen hierzulande stark verunsichert sind. Neues Personal wird deshalb derzeit – wenn überhaupt – nur sehr zurückhaltend eingestellt.

Regionen, in denen mittelständische Unternehmen dominieren und nicht die Großindustrie, stehen in Abschwungphasen besser da, weil die einzelnen kleineren Unternehmen in unterschiedlichem Maß von der Flaute betroffen sind. Außerdem können diese Firmen flexibler auf Umbrüche reagieren – sei es in einzelnen Ländern oder auch Branchen.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 04.01.2020 10:29
Arbeiten neue Welt
Dass die Konjunktur gewissen Zyklen unterworfen ist, ist unbestritten. Dass die augenblickliche Wirtschaftssituation für eine erneute "Konjunktur-Delle" spricht, ebenfalls. Das aber immer wieder der Fachkräftemangel, wie auch jetzt von BA, angesprochen wird, ist auch auch darauf zurückzuführen, dass viele Unternehmen den Fachkräftemangel selbst machen. Denn wer nicht bereit ist, über den eigenen Tellerand zu sehen, übersieht potentielle Kandidaten. Ausserdem kann von einem pauschalen Fachräftemangel nicht die Rede sein. So sehen es auch die Gewerkschaften. Fakt ist, dass die Bewerber den Firmen nicht mehr die Türen einrennen wie früher. Die junge Generation ist selbstbewusster geworden. Dazu kommt, dass die Unternehmeneine 100%ige Passgenauigkeit suchen und Quer- und Seiteneinsteiger kaum oder gar keine Chance haben. Und was ist mit der Angst vor Weiterbildungskosten und der fehlenden Kapazitäten bei der Einarbeitung? Und warum wird über Mindestlohn diskutiert, wenn Fachkräftemangel herrscht? Erhöhen sich nicht eher die Löhne, wenn Fachkräftemangel herrscht?
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