Kommentar zum Angriff auf US-Botschaft
Trump in der Sackgasse

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Iran testen würde, wie der antimilitaristisch eingestellte US-Präsident auf eine massive Herausforderung reagieren würde. Die fraglos von Teheran inszenierte Belagerung der amerikanischen Botschaft in Bagdad ist ein solcher Prüfstein, der auch eine wichtige historische Komponente hat. Denn 444 Tage lang hielten als „Studenten“ getarnte iranische Terroristen im November 1979 beginnend die US-Botschaft in Teheran und 52 Mitarbeiter im Würgegriff, während der damalige Präsident Jimmy Carter hilflos zusah und am Ende politisch unter dem Debakel litt.

Mittwoch, 01.01.2020, 21:18 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 09:26 Uhr
US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/dpa

Und nun Bagdad. Wird Trump diese Krise aussitzen, so wie er auch auf das aggressive Verhalten Teherans im Persischen Golf gegenüber Öltankern eher achselzuckend reagiert hat? Der Zeitpunkt des neuen Dramas ist jedenfalls von den Mullahs klug gewählt. Denn die Anhänger Trumps wollen keine neuen militärischen Brandherde, und 2020 ist das Wahljahr in den USA.

Die Frage stellt sich deshalb, ob die Entsendung von 750 zusätzlichen Soldaten in die Region mehr als nur Symbolwert für ein Muskelspielchen verkörpert. Wie es derzeit aussieht, kann der US-Präsident bei dieser Krise eigentlich nur verlieren. Lässt er sich von den Belagerern der Botschaft auf der Nase herumtanzen, wirkt er schwach. Reagiert er mit Härte – wie beispielsweise durch einen Schießbefehl für die USMarines in der Anlage – würde dies nur weitere Reaktionen der von Teheran gesteuerten Milizen nach sich ziehen.

Der einzige Trost für den Rest der Welt ist: Für ein größeres kriegerisches Abenteuer in der Region gibt es noch keine Indizien. Doch dem unter der Aufkündigung des Atomabkommens und neuen Sanktionen leidenden Iran scheint es nun gelungen zu sein, den an Außenpolitik nicht besonders interessierten US-Präsidenten Donald Trump geschickt in eine Sackgasse manövriert zu haben.

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