Kommentar zum Filmfest Venedig
Ein Hoch auf die Jury

Was »Joker« kann, der Gruselfilm vom Rande des Superhelden-Universums, wird sich im Oktober weisen, wenn er bei uns ins Kino kommt. Aber dass die Jury in Venedig gute alte Hollywood-Ware auf den Schild hob, ist schon mal ein Statement.

Sonntag, 08.09.2019, 21:30 Uhr
Ein Goldener Löwe ist der Hauptpreis des Filmfests Venedig Foto: dpa

Noch glücklicher aber stimmt den Filmfreund der »Löwe« für Roman Polanski. Nicht nur weil »J’accuse« ganz großes Kino ist. Sondern deswegen, weil – endlich! – all jene anmaßenden Zeitgenossen abgewatscht werden, die glauben, sie dürften sich zu Zensoren über die Kunst aufschwingen. Die fordern, politisch unkorrekte Passagen in der Literatur zu schwärzen. Die erotische Gemälde in Museen abhängen wollen. Die von der Straftat eines Künstlers auf moralische Defekte in seinem Werk schließen. Diese die demokratische Freiheit aushöhlende Attitüde ist ja bekanntlich, Nolde lässt grüßen, schon im Kanzleramt angekommen. Das Votum von Venedig ist mehr als nur eine Preisvergabe. Es feiert die Autonomie der Kunst. In Zeiten, in denen die Social-Media-Dämonen bestrebt sind, die in Jahrhunderten des Kampfes mühevoll überwundenen Zumutungen der Vormoderne zu restaurieren, keine Kleinigkeit.

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