Kommentar zu Christine Lagarde
Übers Ziel hinaus

(WB). Christine Lagarde hat, wenn man den Ausführungen der Europa-Abgeordneten bei ihrer gestrigen Anhörung folgte, vor allem zwei Pluspunkte. Erstens: Sie ist eine Frau. Zweitens: Sie verfügt über eine große internationale Erfahrung in der Finanzpolitik. Ob beide Gründe reichen, um zu einer Reformerin der Europäischen Zentralbank zu werden, ist fraglich.

Mittwoch, 04.09.2019, 21:30 Uhr aktualisiert: 04.09.2019, 22:00 Uhr
Die designierte Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, will die Auswirkungen der Niedrigzinsen in Europa nicht aus den Augen verlieren. Foto: Shawn Thew/dpa

Denn in einem wichtigen Punkt blieb sie auch in der Anhörung vor dem EU-Parlament ganz Französin: Die EZB soll weiterhin ein Instrument bleiben, das nicht nur für die Geldpolitik verantwortlich ist, sondern auch als konjunktureller Helfer und Engel für den Notfall bereitsteht.

Diese Ausweitung des Auftrags ihres noch amtierenden Vorgängers Mario Draghi hat zwar in der Staatsschuldenkrise den Euro gerettet. Aber eine Verlängerung dieser Politik dürfte das Gegenteil dessen bewirken, was Lagarde eigentlich anstrebt: Die Mitgliedstaaten müssen selbst ihre Haushalte so stabil halten, dass sie angesichts neuer Herausforderungen nicht ins Wanken geraten. Lagarde will wie Draghi weiter Politik machen, nicht nur Geldpolitik, was eigentlich ihre alleinige Aufgabe wäre.

 

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 05.09.2019 08:33
Übers Ziel hinaus
Wie war das noch mit der Verantwortung vor einem französischen Strafgericht, wo sie sich wegen ihrer innenpolitischen Vergangenheit verantworten muss? Es geht um eine Zahlung von 400 Millionen Euro an den Unternehmer Bernard Tapie. Das nennt man Untreue.
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