Meinung
Wenn aus Worten Taten werden

Diesmal richtete sich der Terror nicht gegen Muslime oder Juden. In dem »mexikanischen Walmart« von El Paso gerieten Latinos ins Visier eines weißen Rechtsextremisten. Der Anschlag sei eine Antwort auf die angebliche »Invasion« hispanischer Zuwanderer, heißt es in dem Manifest, das der Täter kurz vor dem Massaker online veröffentlichte.

Montag, 05.08.2019, 21:43 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 21:50 Uhr
Nora Martinez (r) und ihre Tochter nehmen an einer Andacht für die Opfer des Massakers in El Paso teil. Foto: dpa

Wenn die Wortwahl bekannt klingt, dann zurecht. So hetzt auch der US-Präsident vor seinen Anhängern. Mehr als einmal gebrauchte er den Begriff einer Invasion. Tatsächlich haben Hispanier schon in Texas gelebt, als dieses noch gar nicht zu den USA gehörte.

Statt Gebete anzubieten, sollte Trump besser auf die Ausfälle gegen Latinos, Muslime und Schwarze verzichten. Leider sieht wenig danach aus. Denn seine Präsidentschaft gründet auf einem im Kern rassistischen Appell, in dem die »wahren Amerikaner« als Opfer daher kommen.

»Make America White Again«

Der Präsident machte vom Tag der Amtseinführung an klar, dass sein »Make America Great Again«-Slogan eigentlich »Make America White Again« meint. Im Amt verfolgt er eine Politik der offenen Diskriminierung. Mauerbau und Muslim-Bann, Flüchtlinge in Käfigen, von ihren Müttern getrennte Kinder und Jugendliche in Internierungslagern gehören zur neuen Normalität.

Trump spielt mit den realen Ängsten vieler weißer Amerikaner, die das Rückgrat seiner Bewegung ausmachen. Diese fürchten angesichts des demographischen Wandels, sehr bald ihre Privilegien zu verlieren.

Verwirrte Seelen, wie die des Attentäters von El Paso, lassen sich von Worten inspirieren, verstehen sie als Handlungsanweisung. Mit seiner Strategie, Flüchtlinge und Einwanderer zu entmenschlichen, trägt Trump zweifellos eine Mitverantwortung für das Erstarken weißer Rechtsextremisten. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Boden bereitet zu haben, auf dem die Saat der Gewalt aufgegangen ist.

Differenz zwischen Worten und Taten

Der Terroranschlag von El Paso lehrt zudem, wie einfach sich in den USA die Differenz zwischen Worten und Taten mit einem AK-47 Schnellfeuergewehr überbrücken lässt. Das hat vor allem mit der Untätigkeit der Regierung im Umgang mit der Waffengewalt zu tun.

Dabei hat diese in den USA epidemische Ausmaße angenommen hat. Das zurückliegende Wochenende mit der zweiten Schießerei in Ohio zeigt den Ernst der Lage. Binnen 24 Stunden kamen 32 Menschen im Kugelhagel eines Wahnsinnigen und eines Terroristen ums Leben.

Erschreckend ist die leichte Verfügbarkeit kriegstauglicher Waffen in Verbindung mit dem Anwachsen einer gewaltbereiten Szene weißer Rechtsextremisten. Trump ignoriert nicht nur beide Gefahren, sondern gießt auch noch Öl ins Feuer. Der Terror von El Paso muss ein Weckruf sein, der die Augen öffnet. Bevor es zu spät ist.

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