Kommentar zur Deutschen Bank
Abkehr von der alten Strategie

Der angekündigte Konzernumbau der Deutschen Bank ist nicht irgendein Sparprogramm. Die jetzt verkündeten Maßnahmen markieren einen Wendepunkt in der Geschichte und Strategie von Deutschlands größtem Geldhaus. Es ist auch die Abkehr vom einstigen Anspruch und Selbstverständnis, einer der wichtigsten globalen Bankenriesen zu sein. Einer, der aber auch weltweit mit Problemen, Skandalen und Verlusten zu kämpfen hat.

Sonntag, 07.07.2019, 20:44 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 20:48 Uhr
Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Foto: Arne Dedert/dpa

Der neue Kurs trägt ganz wesentlich die Handschrift des jüngsten Vorstandschefs in der Historie der Bank. Der aus Bünde stammende Christian Sewing (49), der einst als Azubi in der Bielefelder Filiale den Beruf des Bankkaufmanns erlernte, gibt jetzt in der Frankfurter Konzernzentrale den Weg vor. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im April 2018 hatte Sewing skizziert, dass er sich die Zukunft der Deutschen Bank anders vorstellt als viele seiner Vorgänger von Hilmar Kopper über Rolf Breuer bis Josef Ackermann.

Statt des risikoreichen und verrufenen, aber in guten Zeiten auch hoch lukrativen Investmentbankings mit Wertpapieren, Devisen und Derivaten setzt Sewing lieber auf das klassische Privat- und Firmenkundengeschäft. Statt Geschäfte auf der ganzen Welt hat der 49-Jährige vor allem die europäischen Kunden im Blick. Getreu dem Motto: lieber kleiner und erfolgreicher als größer und krisengeplagter.

Sewing steht vor einer Herkulesaufgabe. Klar ist aber auch, dass es ohne radikalen Umbau nicht weitergehen kann. Nach drei Verlustjahren gelang 2018 zwar ein Mini-Gewinn. Doch ein Ende der Dauerkrise war weiterhin nicht in Sicht. Ein möglicher Zusammenschluss mit der Commerzbank wurde erst geprüft und im April verworfen. Der Aktienkurs stürzte vor Monatsfrist auf ein Allzeittief – eine Entwicklung mit Symbolkraft. Die Deutsche Bank ist nach einem jahrelangen Niedergang am Tiefpunkt angekommen.

Jetzt muss es darum gehen, nach vorne zu schauen und Fortschritte zu machen. Vor Sewing und den Mitarbeitern steht ein langer Weg. Einer, der viel Kraft und viele auch ihren Job kosten wird. Sewing will »eine neue Epoche« einleiten. Ob die Strategie aufgeht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen müssen.

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