Kommentar zu Facebook-Sperren
Ein Schritt in die richtige Richtung

Das Verbreiten von Hass ge­gen Minderheiten sollte nicht mit dem Recht auf freie Rede verwechselt werden. Weil das in den USA aber oft so gesehen wird, verstand sich Facebook bei seinem Umgang mit Extremisten, Hasspredigern und anderen Radikalen als Teil dieser Tradition. Glücklicherweise hat das Netzwerk begriffen, dass diese Sicht den veränderten Kommunikationsbedingungen angepasst werden muss. Während es früher keine Plattform gab, auf der Einzelpersonen oder Gruppen solche Ansichten ohne großen Aufwand verbreiten konnten, reichen heute ein Computer und eine Internetverbindung.

Freitag, 03.05.2019, 21:15 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 21:20 Uhr
Facebook will Profile prominenter Hetzer, die in dem sozialen Netzwerk Antisemitismus, Rassismus und alle Sorten von Extremismus verbreitet haben, sperren. Foto: dpa

Ein Musterbeispiel dafür war das Massaker an den Muslimen von Christchurch in Neuseeland. Durch die »Live«-Sende-Option auf Facebook konnte der Rechtsextremist sein teuflisches Tun rund um die Welt übertragen. Ein solches Verbrechen als »freie Rede« schützen zu wollen, wäre nicht nur ein grobes Missverständnis, sondern pervers. Bei dem Anschlag auf die Synagoge von Poway bewies Facebook, dass es auch anders geht.

Egal, ob Facebook bloß sein Image aufpolieren will oder wirklich grundlegend umdenkt, die Sperrung der Profile prominenter Hetzer, die in dem sozialen Netzwerk Antisemitismus, Rassismus und alle Sorten von Extremismus verbreitet haben, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Vor allem ist es keine Zensur, sondern ein Stück Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch ein Unternehmen, das mit der Bereitstellung seiner Plattform enorme Summen verdient hat.

Bei den betroffenen Profilen handelt es sich aber bestenfalls um die Spitze des Eisbergs. Darunter findet sich ein breiterer Unterbau an Personen, die weniger bekannt sind, aber genügend Reichweite haben, das gesellschaftliche Klima zu vergiften. Deshalb muss noch mehr geschehen, damit das Vakuum nicht doch nur durch bisher weniger in Erscheinung getretene Akteure gefüllt wird. Alles andere wäre halbherzig und naiv. Wichtig ist dabei, dass Facebook transparent darlegt, was zu einer Verbannung von seiner Plattform führt. Denn natürlich ist die Versuchung autoritärer Regierungen und Diktaturen groß, unter dem Vorwand des Extremismus legitime Opposition zu verbannen.

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