Ein Kommentar zur Digitalisierung
Chance oder Gefahr?

Ersetzen Maschinen den Menschen? Diese Frage treibt die Menschheit bereits seit mehr als 200 Jahren um. Damals begann in Europa die Industrialisierung. Jetzt erleben wir eine neue Revolution, die Digitalisierung . Umstritten ist, wie viele Jobs sie kosten wird. Manche Forscher meinen, dass die Digitalisierung zu einer Massenarbeitslosigkeit führen wird. Andere sagen, dass Arbeit, so wie wir sie kennen, in zehn bis 15 Jahren nicht mehr existieren wird.

Dienstag, 05.03.2019, 20:46 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 19:34 Uhr
Symbolfoto. Foto: dpa

Es ist grundsätzlich ratsam, Vorsicht bei der Einschätzung der Geschwindigkeit von Änderungen des Lebensalltags walten zu lassen. Der Ökonom John Maynard Keynes warnte bereits in den 1930er Jahren vor »technologischer Arbeits­losigkeit«, die sich infolge des technischen Fortschritts verbreiten werde. Auch in den 1990er Jahren war es populär, eine Dominanz der digitalen Welt vorherzusagen. Der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin prophezeite 1995 »Das Ende der Arbeit« – ohne dass sich dies bewahrheitet hätte.

Nicht verunsichern lassen

Die Menschen sollten sich also von solcher Panikmache nicht verunsichern lassen. Es ist allerdings richtig, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt radikal verändert und sich schon jetzt auf nahezu alle Lebensbereiche auswirkt. So sind mittlerweile nicht mehr nur nicht oder nur niedrig qualifizierte Arbeitskräfte betroffen. Mit besserer Sensorik, hoher Vernetzung und zunehmender Intelligenz dringt die Automatisierung in die Domänen der besser qualifizierten Fachar­beiter vor. Auch Berufe wie Steuerberater, Buchhalter und Versicherungskaufmann könnten künftig wegfallen, weil sich die damit verbundenen Tätigkeiten gut digitalisieren, vernetzen und automatisieren lassen. Gleiches gilt für die Jobs der Taxi-, Bus- und Lkw-Fahrer.

Noch hat jede technologische Revolution nicht bloß Millionen Jobs zerstört, sondern auch Millionen neuer Stellen hervorgebracht – in Berufen, die sich zuvor niemand hatte vorstellen können. Das entscheidende Problem besteht also nicht darin, dass uns die Arbeit ausgehen wird, sondern darin, dass die Berufe von morgen ganz andere sein werden und neue Fähigkeiten erfordern.

Neue Aus- und Weiterbildungskonzepte

Wir benötigen neue Aus- und Weiterbildungskonzepte. Schulen, Berufskollegs, Fachhochschulen und Universitäten werden viel stärker als bislang Un­ternehmergeist und Kreativität wecken müssen. Es bedarf ei­ner klugen Politik, die die Jobs von morgen fördert, und einer Sozialpolitik, die all jene auffängt und fördert, die vorübergehend keine Arbeit finden.

Ja, auf die Gesellschaft kommen gewaltige Herausforderungen zu. Das kann man als Gefahr bezeichnen, das kann man aber auch als Chance sehen. Deutschland und vor allem Ostwestfalen-Lippe mit seinen Forschungsinstituten und den bereits auf den Weg gebrachten Projekten haben gute Voraussetzungen, um von der Digitalisierung profitieren zu können.

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