Ein Kommentar zu AKK
Entweder Witzbold oder Kanzler

Deutschland will Politiker mit Herz und Humor. Aber Deutschland will keine Narren an der Staatsspitze. Annegret Kramp-Karrenbauers Intersexuellenwitz kam außerhalb des Stockacher Festsaales beim Volk nur mäßig an . Und ihr Versprecher beim CDU-Werkstattgespräch »Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen« in der Partei gar nicht.

Montag, 04.03.2019, 21:39 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 10:58 Uhr
Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrer Rede. Foto: dpa

Angela Merkel zeigt, wie man es macht. Sie hat die Korrektheit geradezu zum Kult erhoben. Ausrutscher sind praktisch nicht bekannt. Der Preis dafür ist auch klar: Langeweile pur. Obwohl das eine ungerechte Bewertung für die in kleinem Kreis ausgesprochen witzige Kanzlerin ist. Nur beachtet sie immer, und erst recht öffentlich, die Grenzen des Anstands, der Doppeldeutigkeit und der Missbrauchsmöglichkeit von Sprüchen. Merkel hat das so verinnerlicht, dass sie sich inzwischen nicht mehr kontrollieren muss, um jederzeit kon­trolliert zu sein.

Im Amt kann sich ein Kanzler eigentlich mehr leisten, als Merkel es tut

Wie schillernd war da im Vergleich doch Gerhard Schröder. »Basta« oder »Hol mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik ich hier«. Das mochten viele, obwohl es macho-peinlich war. Oder Helmut Kohl, der sich 1991 in Halle sogar mit De­monstranten schlagen wollte.

Im Amt kann sich ein Kanzler eigentlich mehr leisten, als Merkel es tut. Vor dem Amt hingegen müssen die Bewerber aufpassen. Andrea Nahles dürfte das inzwischen wissen, doch passiert ihr trotzdem immer wieder irgendein »Bätschi«, so dass die ganze SPD sich fremdschämt. Nahles hat ihre mögliche Kanzlerkandidatur mit solchen Ausrutschern fast schon verspielt. AKK wird es ähnlich ergehen, wenn sie noch ein, zwei Dinger raushaut. Ganz nach dem Motto: Es lagen viele Fettnäpfchen auf ihrem Weg, und sie hat sie alle gefunden.

Vielleicht sollte AKK eine aktive Teilnahme am Karneval künftig meiden

Natürlich möchte niemand, dass sich Annegret Kramp-Karrenbauer so weit verbiegt, bis sie Angela Merkel II geworden ist. Zumal das Publikum sehr feinfühlig merkt, wenn jemand sich selbst nicht treu bleibt. Aber deutlich mehr Sensibilität für ihre neue Rolle als CDU-Vorsitzende – und das ist immer auch die Bundeskanzlerin in spe – sollte die Saarländerin dringend entwickeln.

Vielleicht sollte AKK eine aktive Teilnahme am Karneval künftig meiden. Der Karneval wird nur in einigen Regionen gemocht; die Vorsitzende einer Volkspartei bespielt aber nun mal die überregionale Bühne. Auch Gegenden, in denen man in dieser Jahreszeit ganz humorlos ist. Das ist das eine. Das andere: Das Niveau, auf dem Kramp-Karrenbauer jetzt Politik macht, und das, auf dem im Karneval Witze gemacht werden, liegen nun mal sehr weit auseinander. Womit nichts ge­gen Karnevalswitze gesagt sei. Die sind, wie sie sind, und sie gehören so, wie sie sind, dazu. Aber der Karneval ist nicht der Ort für politische Korrektheit. Deswegen sollten Politiker ab einem bestimmten Level dort einfach gar nicht auftreten.

Kommentare

Paul Schneider  wrote: 05.03.2019 08:55
Entweder Witzbold oder Kanzler
Die Frage, ob AKK Kanzlerin kann, stellt sich doch gar nicht. Merkel wird spätestens 2021 wieder zur Kandidatin aufgerufen. Es gibt keine bessere Kandidatin für den status quo, sowohl in Deutschland wie Europa. Wer will denn die Aufloesung der EU nach dem Brexit aufhalten? Macron, der gerade an seiner eigenen Demontage Arbeit?
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