Kommentar zu #GERBRA Der Wecker hat geklingelt

Wenn dieser misslungene Test gegen Brasilien etwas Gutes hatte, dann, dass Joachim Löw nun endgültig weiß, auf wen er sich im Hinblick auf die WM voll und ganz verlassen kann und auf wen bloß bedingt. War vor dem Länderspiel-Doppelpack doch immer die Rede davon, dass der Fundus an hochtalentierten Spielern aktuell so groß sei wie nie zuvor, kommen nun leise Zweifel auf.

Von Dirk Schuster
Julian Brandt, Lars Stindl und Toni Kroos (von links) nach dem Spiel.
Julian Brandt, Lars Stindl und Toni Kroos (von links) nach dem Spiel. Foto: dpa

Der Unterschied zwischen A-Elf (1:1 gegen Spanien) und besserer B-Elf (0:1 gegen Brasilien) war vom Resultat her zwar gar nicht mal so gravierend. Von der Leistung her allerdings schon.

Löws A-Elf, das ist sicher, wird sich in Russland überwiegend aus Spielern rekrutieren, auf die der Bundestrainer auch schon beim Titelgewinn vor vier Jahren baute: Neuer (so er denn fit wird), Boateng und Hummels, Kroos und Khedira, Müller und Özil. Dieses Septett bildet das Gerüst. Genau wie 2014.

Dass in Boateng und Kroos nun zwei Führungsspieler ungewohnt deutlich auf Missstände in der sonst so heilen Nationalmannschaftswelt hinweisen, lässt einigen Interpretationsspielraum zu. Auch den, dass ihre Einlassungen sehr gezielt gesetzt worden sind – aus ernster Sorge um ein erfolgreiches WM-Abschneiden.

England (0:0), Frankreich (2:2), Spanien (1:1), Brasilien (0:1): Ihre jüngsten vier Testpartien haben die Deutschen gegen Topgegner bestritten. Gewonnen haben sie keine davon. Das muss nicht unbedingt beunruhigen. Dass die DFB-Elf aber in keinem der vier Spiele das bessere Team war, muss Anlass zur kritischen Aufarbeitung sein.

Nach dem Titel 2014 hatte sich im Team ein gewisser Anflug von Selbstgefälligkeit breitgemacht. Bei der folgenden EM in Frankreich scheiterte Deutschland dann auch in erster Linie an sich selbst. Damit das nicht wieder passiert, haben Boateng und Kroos den Wecker gestellt. Ein Wachmacher zur richtigen Zeit.

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