Flüchtlinge Unser aller Aufgabe

Von André Best

Eine Turnhalle ist in Niedersachsen zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut worden.
Eine Turnhalle ist in Niedersachsen zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umgebaut worden. Foto: dpa

Fast jeden Tag steht in Deutschland eine Flüchtlingsunterkunft in Flammen. Die Bundeskanzlerin wird   als Volksverräterin beschimpft, der Bundespräsident spricht von Dunkeldeutschland,  und  in Wien werden 59 tote Männer, acht Frauen und vier Kinder  in einem Lastwagen entdeckt. Was ist nur los in Deutschland und auf der Welt?

Größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung

Die Flüchtlingskrise ist die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung.  In diesem Jahr sind es  800 000 Menschen, die zu uns kommen. Nächstes Jahr  und auch 2017 werden nach Meinung von Experten jeweils nochmals eine Million Flüchtlinge   erwartet.
Die Hilfsbereitschaft gegenüber   Menschen, die auf der Flucht vor Kämpfen, Hunger, Folter und Vertreibung sind, ist in Ostwestfalen-Lippe   noch vergleichsweise groß. Aber  Fremdenfeindlichkeit, Hass und Hetze   bis hin zu Morddrohungen sind längst kein regionales Problem des Ostens mehr. Den Rechtsradikalen laufen bei Demonstrationen mittlerweile auch Eltern mit Kindern nach – aus welchen Gründen  auch immer. Aber es ist leider bittere Realität in Deutschland im Jahr 2015.
Dennoch: Die Mehrheit denkt und tickt richtig. Sie unterscheidet zwischen den traumatisierten Flüchtlingen, die dringend Hilfe benötigen und diese auch erhalten müssen und den 45 Prozent aller Asylbewerber, vornehmlich  aus den Balkanstaaten, die wir schnell zurückschicken müssen, weil sie in ihrer Heimat eben nicht mehr unter Krieg und Verfolgung leiden. Am besten, sie kommen gar nicht erst in unser Land hinein.  
Trotz eines Behördensystems, das einmalig ist auf dieser Welt, sind wir schlicht überfordert. Die Politiker produzieren zwar schöne Bilder, aber bunte Fotos lösen die wirklichen Probleme nicht. In der  großen Politik wird die Frage sein, ob und wie es der internationalen Gemeinschaft gelingen kann, gemeinsam Kriege zu beenden, Frieden zu schaffen und zu sichern. Nur so ist der weltweite Flüchtlingsstrom langfristig in den Griff zu bekommen.

Jeder kann etwas tun

Und wir? Jeder kann auf seine Weise etwas tun. Sich zu informieren, sich ohne Vorurteile  eine Meinung zu bilden und daraus eine Haltung zu entwickeln gegen Fremdenfeindlichkeit – damit fängt es an. Wer mehr leisten möchte und Flüchtlinge direkt oder indirekt unterstützt – großartig!
In Deutschland müssen wir uns erinnern an die Nachkriegsgeschichte, als wir Hilfe beim Wiederaufbau unseres Landes benötigten. Und wir sollten an das Sommermärchen bei der Fußball-Weltmeisterschaft  im Jahr 2006 denken.    Deutschland präsentierte sich  friedlich, weltoffen und tolerant.
 Jetzt, wo es wirklich darauf ankommt und es unser aller Aufgabe ist, müssen wir ein neues Zeichen setzen.

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Wunderbare Aktion

Danke an das Westfalenblatt für diese gute Aktion. Genau, darum geht es jetzt, Menschlichkeit wieder in den Mittelpunkt unseres Handelns und Seins zu stellen. Und neu über Werte, Frieden und die Idee von Europa nachzudenken. Schluss mit der Engstirnigkeit egozentrischer Weltsicht oder Einheitsmaßen für Gemüse, her mit Herz, Empathie und hilfreichem Handeln. Wir müssen neu überlegen, wie die (menschliche) Gesellschaft aussehen soll, in der wir leben wollen. Und jetzt schon den ersten Schritt dahin tun, ganz praktisch.

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