Unterrichtsausfall Totalversagen aller Beteiligten

Von Kerstin Eigendorf

Unterrichtsausfall verärgert Eltern in NRW seit Jahren. Laut Landesrechnungshof ist das Problem aber noch größer als bisher angenommen.
Unterrichtsausfall verärgert Eltern in NRW seit Jahren. Laut Landesrechnungshof ist das Problem aber noch größer als bisher angenommen. Foto: dpa

Sehenden Auges unterschreiten zahlreiche Realschulen und Gymnasien in Nordrhein-Westfalen die Zahl der vorgegebenen Pflichtstunden für die gesamte  Sekundarstufe I. Diese Tatsache an sich ist schon vollkommen inakzeptabel. Unfassbar ist allerdings, dass das überhaupt möglich ist. Melden die Schulen doch massenweise statistisches Material an die Schulaufsicht. Spätestens hier sollte doch auffallen, wenn sich eine Schule auf dem falschen Weg befindet.

Schließlich lässt sich leicht hochrechnen, ob eine Schule die vorgegebene Gesamtwochenstundenzahl erreicht. Fährt sie in Klasse 5 und 6 bereits bewusst am Limit, sollten die Bezirksregierungen hellhörig werden und für die Folgejahre vorwarnen. Die Schulaufsicht hätte längst reagieren müssen. Aber offensichtlich existiert kein Frühwarnsystem. Es entlarvt das Totalversagen aller Beteiligten.

Aus Sicht der Schulleiter ist ein Unterschreiten der Vorgaben verlockend. So können frei werdende Personalkapazitäten genutzt werden, um andere reichlich vorhandene Lücken zu schließen. Das Beugen der Stundentafel nach unten ist zwar nicht im Sinne der Schüler, aber wohl oft ein Mittel, um Freiräume zu schaffen – eine Fehlentscheidung. Wegfallender Unterricht ist nie eine gute Lösung.

Es ist aber auch kein Geheimnis, dass einige  Schulen die geringere Stundenzahl in der Sekundarstufe I als Wettbewerb nutzen. Sie wollen sich im Konkurrenzkampf mit anderen Schulen als Einrichtung präsentieren, die Schülern mit einem ausgedünnten Stundenplan entgegenkommt und ihnen in Zeiten steigenden Leistungsdrucks auch durch G 8 ein paar Verschnaufpausen gönnt. Den Schülern gesetzlich garantierte Bildungschancen vorzuenthalten und das auch noch als Vorteil zu verkaufen: Das ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten.

Gesetzliche Vorgaben sind  einzuhalten. Das Hinwegsetzen darüber muss Konsequenzen haben. Doch auch die Schulaufsicht schaut weg. Das Grundproblem: Die Politik halst Schulen immer mehr Großprojekte auf. Inklusion ist nur ein Stichwort. Beim Thema Unterrichtsausfall zeigt sich erneut, dass  es viel wichtiger ist, grundlegende Probleme erst einmal zu beseitigen, bevor neue Mammutaufgaben übergestülpt werden. In die Grundausstattung wird nicht investiert, sondern Spezialprojekte werden durchgeboxt. Statt Lösungen für jahrzehntelange Probleme zu finden, wird ein Missstand akzeptiert.

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