Griechenland-Krise Vorläufiges Ende einer Irrfahrt

Von Mirjam  Moll

Vertreter der Athener Regierung und der Geldgeber haben sich auf Voraussetzungen für Kredite von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt.
Vertreter der Athener Regierung und der Geldgeber haben sich auf Voraussetzungen für Kredite von bis zu 86 Milliarden Euro verständigt. Foto: dpa

Die Rettung ist nah. Doch Griechenland ist noch längst nicht über den Berg. Im Gegenteil. Vor dem Land liegt ein harter steiniger Weg, der seiner Bevölkerung noch mehr abverlangen wird als in den  vergangenen fünf Jahren. Von einem Ende des Sparkurses, wie ihn Alexis Tsipras im Wahlkampf und zum Amtsantritt versprach, kann keine Rede mehr sein. Der Regierungschef ist auf dem Boden der Tatsachen gelandet – und holte sich  dabei eine blutige Nase.

Lange versuchte sich der junge Syriza-Chef aus den festen Bedingungen der Geldgeber zu winden, ließ es gar aufs Äußerste ankommen. Bis er feststellte, dass das übrige Europa inzwischen auch bereit war, notfalls einen Grexit, also einen Austritt Griechenlands, hinzunehmen. Tsipras musste einsehen, dass seine Heimat ohne weitere Hilfen auf den Stand eines Entwicklungslandes zurückgeworfen werden würde.

Er entschied sich für den anderen Weg. Er ist nicht weniger schwierig. Aber dennoch notwendig. Das Rentensystem hätte das Land innerhalb kürzester Zeit kollabieren lassen – es war längst untragbar und wurde viel zu lange auf Pump finanziert.

Kein anderer Verwaltungsapparat in Europa ist in den vergangenen Jahren derart angewachsen wie in Griechenland – bei gleichzeitig steigenden Gehältern. Er muss gestutzt werden, um die hohen Ausgaben des Staates auf ein vertretbares Maß zu drücken.

Schuld an diesen Umständen sind Vetternwirtschaft und Klientelismus. Sie haben Griechenland krank gemacht. Und sie sind es, die endlich weichen müssen. Die Superreichen sollten entsprechend ihrer Einnahmen belastet werden. Dass sich ausgerechnet eine linksdominierte Regierung damit schwertut, ist schier unbegreiflich.

Erklären lässt sich die falsche Zurückhaltung nur mit dem ewigen Klüngel, dem Tsipras nun endlich den Kampf ansagen muss. Nur wenn Griechenlands Verwaltung endlich von politischer Einflussnahme befreit ist, kann ein neues Zeitalter beginnen. Diese Aufgabe wird die weitaus größte sein, die es für Tsipras zu bewältigen gilt. Und zugleich die wichtigste. Denn nur so kann Hellas das Vertrauen von Investoren zurückgewinnen, im Zug von Wirtschaftsreformen zu einem attraktiven Standort werden.

Denn in Griechenland liegen auch Chancen. Beispielsweise für erneuerbare Energien. Derzeit versorgt sich das Land größtenteils über fossile Brennstoffe mit Strom und Gas – dabei hat es  Sonne und Wind im Überfluss. Auch mit der Privatisierung der Häfen kann Griechenland viel erreichen. Teilbereiche, die schon jetzt privat betrieben werden, fahren erfolgversprechende Gewinne ein. Es sind diese Per-spektiven, mit denen Tsipras nun nicht nur sein Parlament, sondern vor allem sein eigenes Volk gewinnen muss. Denn nur wenn  die Menschen an eine bessere Zeit glauben, hat Griechenland eine Zukunft.

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