Schaden durch Hitze und Trockenheit – Umstieg auf robustere Arten Der Wald leidet

Münster (WB). Trockenheit und Hitze setzen den Wäldern in NRW heftig zu. Gleichzeitig wächst die Waldbrandgefahr, und zu allem Überfluss könnte es zu einer Borkenkäferplage kommen.

Von Dietmar Kemper
Ein trockener Fichtenast auf dem trockenen Waldboden: Heimische Baumarten sind Dürreperioden, wenn sie häufiger auftreten, nicht gewachsen.
Ein trockener Fichtenast auf dem trockenen Waldboden: Heimische Baumarten sind Dürreperioden, wenn sie häufiger auftreten, nicht gewachsen. Foto: dpa

»Die Fichte, unser wichtigster Wirtschaftsbaum, leidet besonders, weil sie so flache Wurzeln hat«, sagte Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW in Münster dem WESTFALEN-BLATT. Weil der Boden von oben nach unten trocknet, können Baumarten mit tiefen Wurzeln die Trockenheit besser vertragen als flachwurzelnde wie die Fichte. Besonders gefährdet sind die Jungkulturen, die erst noch Wurzeln ausbilden müssen, die in die Tiefe gehen. Wenn die ersten 20 Zentimeter durchtrocknen, sind zwei- oder dreijährige Setzlinge kaum noch zu retten. »Die Jungkulturen haben richtig Stress, hier gibt es schon Schäden«, weiß Blaschke.

»Die Birken haben schon Herbst, das Laub ist braun«

Trockenheit und Hitze sorgen dafür, dass Bäume nicht so dick werden wie sonst. Das Ausmaß hängt auch vom Untergrund ab. Ein sandiger Boden verstärkt den sogenannten Trockenstress noch, Lehmboden dagegen speichert Flüssigkeit länger. 27 Prozent der Landesfläche Nordrhein-Westfalens ist mit Wald bedeckt, insgesamt sind es 915.800 Hektar. Von den heimischen Arten kommt die Eiche mit dem jetzigen Klima noch ganz gut klar, Arten wie der Birke und der Buche dagegen sieht man die Folgen an.

»Die Birken haben schon Herbst, das Laub ist braun«, bringt es Blaschke auf den Punkt. An den Platanen in den Städten platze die Rinde ab, Buchen hätten zur Zeit mit der Halbmast und der Trockenheit zu kämpfen. Weil Wald und Holz NRW davon ausgeht, dass Trockenperioden zunehmen werden, baut der Landesbetrieb den Wald »klimastabil« um. Angepflanzt werden Arten, denen Hitze und Trockenheit weniger ausmachen. Hier sind Douglasien, Küsten- und Weißtannen sowie Baumhasel und Esskastanien zu nennen. Experimentiert wird auf Feldern im Sauerland und im Kreis Lippe. »Der Wald, so wie wir ihn kennen, wird mit dem Klimawandel, wie wir ihn befürchten und schon sehen, nicht zurechtkommen«, beschreibt Blaschke die Notwendigkeit zum Umdenken.

Akute Waldbrandgefahr

Auch eine mögliche Borkenkäferplage bereitet ihm Sorgen. Wärme kurbelt die Vermehrung der Käfer an. Wenn es jede Menge von ihnen gibt, befallen sie nicht nur tote, sondern auch lebende Fichten. »Wir beobachten die Entwicklung genau«, sagt Blaschke. Das gilt auch für die Waldbrandgefahr. Eine entsprechende Warnung gab Wald und Holz NRW am Montagnachmittag für das ganze Bundesland aus. Für größere Brisanz sorgen die Spätfolgen des schweren Sturms Friederike , der am 18. Januar 2018 durch Deutschland zog. »Wir haben viel totes, trockenes Holz durch Friederike im Wald, und das brennt natürlich besonders gut«, erklärt Blaschke. Er appelliert an Autofahrer, keine Zigarettenkippen aus dem Fenster zu werfen, wenn sie an Waldrändern unterwegs sind. »Bitte nicht die Zufahrt zu Waldwegen versperren!«, ergänzt Blaschke auch im Namen der Feuerwehr. Im Wald selbst gilt ein Rauchverbot. Wie groß die Waldbrandgefahr ist, zeigte sich bereits vor einer Woche, als ein Feuer zwischen Altena und Iserlohn im Sauerland fast zwei Hektar jungen Wald vernichtete.

Offenbar ist die Waldbrandbekämpfung leider mangelhaft. Der Verband der Feuerwehren (VdF) in Nordrhein-Westfalen kritisiert, dass es bundesweit an Spezialisten sowie an entsprechender Ausrüstung zur Bekämpfung von Waldbränden mangele. Es fehle eine beträchtliche Zahl an Löschhubschraubern, um Waldbrände aus der Luft zu bekämpfen, sagte der Düsseldorfer Branddirektor Ulrich Cimolino vom VdF der »Rheinischen Post«. In Deutschland verfügten nur die Bundeswehr, die Bundespolizei und vereinzelt die Polizei in den Ländern, so wie in Bayern, sowie einzelne private Anbieter über geeignete Hubschrauber.

Finanzielle Hilfen für Landwirte möglich

Derzeit leiden aber nicht nur die Bäume, sondern auch Menschen. Das nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerium erlaubt Bauern angesichts der hitzebedingten Ernteausfälle, ökologische Brachflächen für die Futtermittelernte zu nutzen. Zudem prüfe das Land finanzielle Hilfen, erklärte das Ministerium am Dienstag. Bereits jetzt gebe es Liquiditätssicherungsdarlehen für von Dürre und Unwettern heimgesuchte Betriebe. Diese Darlehen werden durch die Landwirtschaftliche Rentenbank vergeben. Durch die anhaltende Hitze hat die Ernte zwei Wochen früher begonnen als in den vergangenen Jahren. Die Erträge lägen landesweit zehn bis 30 Prozent unter dem Durchschnitt, erklärte das Ministerium. Ein Ausgleich der geringeren Erträge durch höhere Preise sei aufgrund der Versorgungslage auf dem Weltmarkt für Getreide allerdings nicht absehbar.

Noch schlechter sehe die Situation momentan bei den Futteranbaubetrieben aus, erläuterte Martin Berges, Direktor der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Auf dem Grünland sei kein weiterer Aufwuchs zu verzeichnen, vielerorts müssten die Tiere auf den Weiden zugefüttert werden. Für den Winter zeichneten sich geringere Futtervorräte ab. Vereinzelt müssten Vorräte für den Winter schon jetzt in Anspruch genommen werden, um die Tiere ausreichend zu versorgen. Ein Futterzukauf, ob Silage, Heu oder Kraftfutter, scheine unausweichlich. Für viele Betriebe bestehe darin die letzte Möglichkeit, um die Tierbestände nicht verringern zu müssen.

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