Software »Adam« hilft Ärzten bei Therapie von Patienten, die viele Medikamente einnehmen Riskante Wechselwirkungen

Bad Oeynhausen/Dortmund (WB). Die 78-Jährige ist keine sorgenfreie Patientin. Fünf chronische Krankheiten muss ihre Hausärztin, die Bad Oeynhausener Allgemeinmedizinerin Anke Richter, im Blick behalten – darunter Asthma, Bluthochdruck und Diabetes.

Das Pilotprojekt »Adam« will Risiken für Patienten verringern, die viele Medikamente einnehmen.
Das Pilotprojekt »Adam« will Risiken für Patienten verringern, die viele Medikamente einnehmen. Foto: dpa

Kompliziert wird die Behandlung, weil die Seniorin, eine Fülle von Pillen einnehmen muss. Seit kurzem nutzt Richter ein neues Programm namens »Adam«, in dem sämtliche von ihr und anderen Ärzten verordneten Medikamente samt Dosierung aufgeführt sind. Die Software weise sie per Mausklick auf Wechselwirkungen oder gar neutralisierende Effekte einzelner Präparate hin, empfehle auch Alternativen.

»›Adam‹ gibt uns Hausärzten sinnvolle technische Hilfsmittel an die Hand, mit deren Hilfe wir unserer Funktion als Primärärzte und Lotsen durch die ambulante Versorgung gerecht werden können«, sagt Richter. »Vor allem aber sorgt ›Adam‹ für lückenlose Transparenz.« »Adam« steht für »Anwendung für digital unterstütztes Arzneimitteltherapie-Management«.

Etwa 100 Hausärzte in OWL nehmen teil

Richter gehört zu einer Gruppe von derzeit etwa 100 Hausärzten in Westfalen-Lippe, die an dem Modellversuch mit »Adam« teilnehmen. Bis zu 1400 Allgemeinmediziner und etwa 35.000 Patienten sollen in der auf drei Jahre angelegten Studie einen neuen Behandlungsansatz erproben, der am Ende bundesweit eingesetzt werden soll, wie Hartmut Dryden, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, gestern in Dortmund erläutert.

Hausärztin Anke Richter nimmt daran teil.

»Je älter man wird, um so stärker steigt das Risiko, an mehreren chronischen Krankheiten zu erkranken«, sagt Dryden. Die Hausärzte würden dabei unterstützt, für Patienten mit vielen Medikamente eine sichere Therapie zu finden. Wissenschaftlich sei belegt, dass ab fünf Arzneimitteln die Wechselwirkungen rasant stiegen und schwer zu kontrollieren seien. Das soll das Modellprojekt ändern.

Barmer Ersatzkasse als Projektpartner

Dafür, dass »Adam« so genau über alle Medikamente der Patienten Bescheid weiß, sorgt die Barmer Ersatzkasse als Projektpartner. Sie stellt die Daten der Versicherten, die viele Medikamente einnehmen müssen, zur Verfügung. Ob die Patienten mitmachen, entscheiden sie im Gespräch mit dem Arzt. Die Patienten profitierten auch durch Ratschläge, welche Präparate sie meiden sollten, wenn sie etwa in der Drogerie weitere Arzneiprodukte kaufen, berichtet Richter. »›Adam‹ ist die größte Studie zur Optimierung der Arzneimittelversorgung«, betont der Saarbrücker Mediziner Professor Daniel Grandt.

Den Ansatz, über eine schlichte Dokumentation hinaus die Therapie zu gestalten, vergleicht er mit der Erfindung des Autos durch Henry Ford: »Das ist eine Sprung-Innovation, wo Ansätze neu gedacht werden.« Begleitet wird das Projekt von mehreren Universitäten, darunter Köln, Bochum und Bielefeld. Vorausgegangen war ein Feldversuch in Bünde und Siegen. Das »Adam«-Projekt wird mit 16 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.

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