Mann muss 17.850 Euro an Vermittler zahlen, der Kontakt zu Uni in Rumänien herstellte Kurioser Streit um Doktortitel

Hamm (WB). Ein Ehrendoktortitel sollte es sein. Schließlich hatte er zuvor an der Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte mitgearbeitet. Zur Erfüllung seines Wunsches schaltete ein Mann aus Bochum die Kölner Unternehmergesellschaft Doctis Consult ein.

Von Bernd Bexte
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

17.850 Euro sollte der Bochumer überweisen

Sie bahnt die Verleihung akademischer Titel und Ehrungen an. Natürlich gegen Bezahlung. 17.850 Euro sollte der Bochumer überweisen, weil ihm Doctis Consult den Kontakt zu einer rumänischen Universität vermittelte, die bereit war, den Beklagten in einer Zeremonie zum »Dr. h.c.« zu adeln. Zur feierlichen Verleihung der Ehrendoktorwürde reiste der Auszuzeichnende dann mit dem Geschäftsführer der Vermittlungsgesellschaft, Hendrik Loll, im November 2015 nach Rumänien. Anschließend überlegte es sich der frischgebackene Ehrendoktor jedoch anders: Er widerrief fristgerecht innerhalb von zwei Wochen den Vermittlungsvertrag und zahlte nicht. Begründung: Er habe den Vertrag gar nicht selbst unterzeichnet. Überhaupt sei die Vereinbarung sittenwidrig, weil sie auf das Erlangen eines Doktortitels ohne wissenschaftliche Leistung abziele.

Vertrag sei nicht sittenwidrig

Das sah das Oberlandesgericht Hamm jetzt jedoch anders. Sie verurteilte den Mann zur Zahlung der 17.850 Euro. Denn er habe die Vermittlungsleistungen der Kölner Gesellschaft in Anspruch genommen. Ob er den Vertrag selbst unterzeichnet habe, spiele dabei keine Rolle. Zudem sei der Vertrag nicht sittenwidrig. Die Unternehmergesellschaft habe sich lediglich zur Hilfe beim Erwerb eines akademischen Titels verpflichtet, die der Beklagte im Erfolgsfalle habe entgelten müssen. Der Vertrag sei kein Geschäft zum Verschaffen öffentlicher Ämter und Titel, betonte das Gericht. Den Beweis, dass für das Verleihen der Ehrendoktorwürde ein Entgelt an die rumänische Universität gezahlt worden sei, habe er nicht erbringen können.

Wissenschaftliche Arbeit müsse der Kunde eigenständig verfassen

»Egal, wie der Rechtsstreit ausgegangen wäre – der Mann hätte den Doktortitel behalten dürfen«, erläutert Doctis-Consult-Chef Hendrik Loll im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Denn sein Unternehmen stelle lediglich den Kontakt zu Universitäten her. Es bahnt gegen Bezahlung übrigens auch die Verleihung von Professorentiteln an. Die sind mit einer Erfolgsprämie in Höhe von 27.500 Euro – zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer – allerdings deutlich teurer. Auch bei der Erlangung üblicher Doktorgrade hilft das Unternehmen. »Wir liefern alle erlaubte Hilfestellung bei der wissenschaftlichen Arbeit: Suche einer geeigneten Universität im Ausland, Suche eines Doktorvaters für Ihr gewünschtes Thema, Coaching, Literaturrecherche, Lektorat«, wirbt das Unternehmen. Man sei aber »keine Ghostwriting-Agentur. Wir beteiligen uns nicht an rechtswidrigen Aktivitäten«. Die wissenschaftliche Arbeit müsse der Kunde eigenständig verfassen.

Das Urteil des OLG Hamm ist rechtskräftig.

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