Kläranlagen in NRW beklagen verstopfte Pumpen durch Feuchttücher Kollaps im Kanal

Essen (WB/dpa). Feuchttücher werden ein immer größeres Problem für die Betreiber von Kläranlagen in Nordrhein-Westfalen. Denn sie zersetzen sich meistens nicht im Wasser.

Feuchttücher sind praktisch. Sie können aber zum Problem werden, wenn sie in der Toilette landen.
Feuchttücher sind praktisch. Sie können aber zum Problem werden, wenn sie in der Toilette landen. Foto: dpa

In den 50er Jahren wurden Feuchttücher erfunden – um sich auch unterwegs ohne fließendes Wasser säubern zu können. Heute werden die weichen Tücher oft genutzt, um Babys beim Wickeln zu reinigen. Aber auch viele Rollstuhlfahrer, die wegen des ständigen Sitzens empfindlicher sein können, ziehen sie dem härteren Toilettenpapier vor. Feuchttücher werden außerdem zum Abwischen von Gegenständen verwendet.

Etwa eine Million Euro Kosten

»In vielen Privathaushalten werden Feuchttücher einfach die Toilette runtergespült. Das führt zu immensen Kosten bei der Instandhaltung der Anlagen und der Filterung des Abwassers«, sagt Ilias Abawi von der Emschergenossenschaft/Lippeverband. Etwa eine Million Euro muss der Betreiber, der das Abwasser von fünf Millionen Einwohnern in NRW klärt, nach eigenen Angaben nur für die Entsorgung des herausgefilterten Unrats ausgeben. Kosten, die sich unter anderem in höheren Abwassergebühren niederschlagen. Auch der Wupperverband, in dessen Einzugsgebiet eine Million Menschen leben, bestätigt eine Zunahme an Feuchttüchern im Abwasser. Sie klumpen oft zu langen Zöpfen zusammen, die Pumpen verstopfen. Das Problem ist inzwischen so groß, dass die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) gemeinsam mit anderen Verbänden und Vertretern aus Industrie und Wissenschaft eine Expertengruppe ins Leben gerufen hat. Sie soll sich des Themas auf europäischer Ebene annehmen. »Die zunehmende Verwendung von Feuchttüchern führt seit einiger Zeit in großem Maße zu Schwierigkeiten«, sagte Christian Wilhelm, Fachreferent für kommunale Abwasserbehandlung beim DWA.

Faserstoffe der Feuchttücher können nicht zersetzt werden

Ein Großteil der Feuchttücher, die im Abwasser landen, bestehen nach Angaben des DWA aus Faserstoffen, die nicht zersetzt werden können. Dadurch verstopfen sie Entwässerungssysteme. Vielen Verbrauchern sei das gar nicht bewusst. Neben den Feuchttüchern verursachen auch Bündel aus Haaren sowie Kondome, Binden und Tampons Probleme.

Die WDR-Ratgebersendung »Der Haushaltscheck mit Yvonne Willicks« ließ im August am Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft in Aachen die Zersetzbarkeit feuchter Toilettentücher testen. Tücher zehn verschiedener Hersteller wurden sieben Tage im Wasser gelassen. Ergebnis: Nur zwei feuchte Toilettenpapiere hatten sich nach sieben Tagen komplett aufgelöst. Lediglich zwei schafften es in 24 Stunden, sich zu zersetzen. So lange braucht das Abwasser aber in der Regel nicht bis zum Klärwerk.

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