Naturpark-Serie Teil 5: Laub- und Nadelbäume bedecken 70 Prozent des Naturparks Arnsberger Wald Wie ein grünes Meer

Arnsberg (WB). In dieser Höhle spuke die Seele eines ermordeten Mannes herum, heißt es in einer Sage. Aber der »Hohle Stein« im Lörmecketal ist nicht der einzige geheimnisvolle Ort im Naturpark Arnsberger Wald.

Von Dietmar Kemper
Der Lörmecketurm bei Warstein ist 35 Meter hoch und ermöglicht einen traumhaften Ausblick.
Der Lörmecketurm bei Warstein ist 35 Meter hoch und ermöglicht einen traumhaften Ausblick. Foto: Naturpark Arnsberger Wald

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In Nordrhein-Westfalen gibt es zwölf Naturparks und den Nationalpark Eifel. Der Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ist mit 3826 Quadratkilometern der größte, der Naturpark Siebengebirge (112) der kleinste.

Da ist zum Beispiel auch die Drüggelter Kapelle über dem Möhnetal. Als im Mittelalter Christen gegen Muslime um Jerusalem kämpften, errichteten Kreuzritter im 12. Jahrhundert die Sühnekapelle nach dem Vorbild der Grabeskirche Jesu.

Floss damals viel Blut, tropft heute bei den Wanderern der Schweiß. Der 482 Quadratkilometer große Naturpark Arnsberger Wald wurde 1961 gegründet und gab sich das Motto »Wilde Welten im westfälischen Waldmeer«.

Zwischen romantischer Verklärung und Furcht

Im Titel drückt sich einmal mehr die besondere Beziehung aus, die die Deutschen zum Wald haben und die zwischen romantischer Verklärung und Furcht vor wilden Tieren und Dämonen hin und her pendelt. »Wir haben 70 Prozent Wald, das ist ein Alleinstellungsmerkmal unseres Naturparks«, sagt der Geschäftsführer Michael Matysiak.

Die knapp 350 Quadratkilometer Laub- und Nadelwald erstrecken sich zwischen den Tälern der Ruhr im Süden und denen der Möhne im Norden und bilden eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. »Die faszinierenden Lichtspiele im westfälischen Waldmeer schaffen eine kraftbringende Atmosphäre«, wird den Besuchern sogar eine gesundheitsförderliche Wirkung verheißen.

37 Strecken für Mountainbiker

Wald und Wandern: Das passt zusammen. Die 240 Kilometer lange Sauerland-Waldroute von Iserlohn nach Marsberg oder der Walderlebnispfad Bibertal (2,3 Kilometer) bei Rüthen und der Pfad »Naturpromenade Wasser & Wald« (3,6 Kilometer). Die » Bike-Arena Sauerland « lässt für Mountainbiker keine Wünsche offen: 37 Strecken mit einer Länge von 1400 Kilometern und 25.000 Höhenmetern. Und Radfahrer rollen über den mehr als 200 Kilometer langen Ruhrtalradweg . Weitere Informationen gibt es hier

Matysiak denkt nicht nur an Ausflügler. Den Naturpark nennt er einem »grünen Standortfaktor« für Unternehmen. Die Naturlandschaft erleichtere es ihnen, Mitarbeiter zu finden. Die Gegend ist in der Tat dünn besiedelt: Innerhalb des Naturparks leben nur etwa 35.000 Menschen.

Möhnesee; eine Perle im Waldmeer

Im »Waldmeer« glänzt wie eine Perle der Möhnesee, der gemessen an der Fläche größte Stausee in Nordrhein-Westfalen. Mehr als zehn Quadratkilometer ist der 1913 angelegte Stausee groß, die Staumauer war mit 650 Metern Länge und 40 Metern Höhe die größte in Europa, als sie Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde.

Schon seit den 1950er Jahren zog es Menschen aus dem Ruhrgebiet an den See. Um den Tourismus zu steuern und mit den Interessen von Natur, Jägern, Land-, Forst- und Wasserwirtschaft zu vereinbaren, wurde der Naturpark gegründet. Der Kreis Soest und der Hochsauerlandkreis schlossen sich zum Zweckverband Naturpark Arnsberger Wald zusammen.

Bis zu 100 Führungen im Jahr

Acht Mitarbeiter kümmern sich hauptberuflich um ihn, darunter vier Ranger. Die kommen kaum zur Ruhe. Bis zu 100 Führungen, gerade auch für Schulklassen, machen die Ranger im Jahr. »Wir kommen bei den Führungen nicht nach, wir könnten doppelt so viele Ranger einstellen«, sagt Michael Matysiak. »Wie ein Magnet« ziehe der Möhnesee die Besucher an, ergänzt er.

Wanderer vor der Staumauer des Möhnesees.

Wer sich die 206 Stufen des Möhneseeturms zumutet, wird 40 Meter über dem Waldboden mit einer grandiosen Aussicht auf den Naturpark belohnt. Neben dem Möhne- und Ruhrtal wird er vom Haarstrang geprägt; er umfasst Wald, markante Felsen und Höhlen genauso wie die fruchtbare Soester Börde. Arnsberg, Meschede, Olsberg, Brilon, Rüthen und Soest umgeben den Naturpark oder liegen wie Warstein mittendrin. Im »Waldmeer« haben sich die seltenen Schwarzstörche, aber auch Feuersalamander und Sika-Wild angesiedelt. Wanderer erleben eine intakte Natur.

Vor 130 Jahren entdeckt

Einem Waldarbeiter verdankt die Region eine weitere Besucherattraktion. Vor 130 Jahren entdeckte der die Bilsteinhöhle. In ihr lebten Höhlenbären und Rentiere; Menschen nutzten sie offenbar als Begräbnisstätte.

Das Bilsteintal ist eine Felslandschaft mit einem 1850 Meter langen Höhlensystem. Die vor 130 Jahren zufällig entdeckte Bilsteinhöhle ist die größte Attraktion. Foto: Naturpark

Ob die Seelen der Toten auch in der Bilsteinhöhle keine Ruhe finden? Heute staunen die jährlich bis zu 30.000 Besucher über den Ideenreichtum der Natur, die faszinierenden Tropfsteingebilde.

Bisher erschienen

Teil 1: Naturparks –  Rückzugsorte für Mensch und Tier

Teil 2: Der Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge –  Wald macht gesund

Teil 3: Die Eifel –  Der einzige Nationalpark in NRW

Teil 4: Der Naturpark Dümmmer –  Das Moor hat seine Schuldigkeit getan

Nächste Folge: der Naturpark Diemelsee

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