Kreis umfasst etwa 100 Personen – vor zehn Jahren Bluttat in Duisburg Mafia operiert in NRW

Duisburg/Düsseldorf (dpa). Das Landeskriminalamt geht bei etwa 100 Personen davon aus, dass sie einer italienischen Mafia-Organisation angehören oder Bezüge dazu haben. Vor zehn Jahren waren in Duisburg sechs Mafiosi erschossen worden.

Italiener töteten Italiener: Das Blutbad in Duisburg im August 2007 sorgte bundesweit für Aufsehen.
Italiener töteten Italiener: Das Blutbad in Duisburg im August 2007 sorgte bundesweit für Aufsehen. Foto: dpa

»Knapp zwei Drittel können der ‘Ndrangheta angehören, knapp ein Drittel der Cosa Nostra«, sagte der Leiter der Abteilung für organisierte Kriminalität beim LKA NRW, Thomas Jungbluth (61), zu den etwa 100 Personen im Land. Hinzu kämen einige Mitglieder der Camorra sowie wenige Angehörige der sogenannten Stidda.

‘Ndrangheta am Niederrhein, Cosa Nostra in Köln, Camorra im Ruhrgebiet

Die ‘Ndrangheta könne man vor allem am Niederrhein und im westlichen Ruhrgebiet verorten, die Cosa Nostra im Bereich Köln und die Camorra im östlichen Ruhrgebiet. Die Stidda habe keinen regionalen Schwerpunkt, erklärte Jungbluth weiter.

NRW sei offensichtlich attraktiv für die Gruppierungen. »Das Land hat eine hervorragende Infrastruktur und eine große italienische Community. Außerdem ist NRW ein prosperierendes Land. Hier kann man Geld verdienen.«

Rauschgift, Falschgeld und Sozialbetrug

Jungbluth betonte, man müsse die organisierte Kriminalität immer im internationalen Zusammenhang sehen: »So ist Nordrhein-Westfalen häufig nur Transitland, zum Beispiel für den Transport von Rauschgift.«

Auch bei den Tätigkeitsfeldern gibt es Unterschiede. »Bei den Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der ‘Ndrangheta geht es öfter um Rauschgift.« Die Cosa Nostra bringe man häufiger mit Sozialbetrug auf Baustellen in Verbindung. Und die Camorra kenne sich gut mit Falschgeld aus.

In Duisburg waren am 15. August 2007 sechs Männer des ‘Ndrangheta-Clans Pelle-Vottari im Alter von 16 bis 38 vor dem italienischen Restaurant »Da Bruno« in der Nähe des Hauptbahnhofs erschossen worden. Den Hintergrund des Massakers bildete eine Fehde zwischen den ‘Ndrangheta-Familien Nirta-Strangio und Pelle-Vottari-Romeo.

Als Motiv wird Rache vermutet: Die 33-jährige Maria Strangio, Ehefrau eines Strangio-Clan-Chefs, soll an Weihnachten 2006 in der kalabrischen Mafia-Hochburg San Luca von der verfeindeten Pelle-Vottari-Seite getötet worden sein.

Duisburger Mordkommission arbeitet zeitweise mit 120 Beamten

Die Duisburger Mordkommission mit zeitweise 120 Beamten konnte die Tatverdächtigen fassen. Als Haupttäter und Drahtzieher gilt Giovanni Strangio, er wurde 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Jungbluth (61) vom LKA hält die Bluttat von Duisburg für eine Art Betriebsunfall: »Die organisierte Kriminalität will im Verborgenen arbeiten. Alles, was die Geschäfte stört, will man vermeiden. Das ruft die Polizei und die Öffentlichkeit auf den Plan. Und dann kann man seine Geschäfte nicht so betreiben, wie man möchte.«

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