Landesregierung soll Ausbildungskapazitäten in Westfalen erhöhen Apotheker beklagen Nachwuchsmangel

Münster/Düsseldorf (WB). Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Münster hat die neue nordrhein-westfälische Landesregierung in einer Resolution aufgefordert, mehr Studienplätze für Pharmazeuten speziell im Landesteil Westfalen zu schaffen.

Von Dietmar Kemper
Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf folgen einer Vorlesung im Grundstudium Pharmazie. Die Apothekerkammer beklagt gegenüber der neuen Landesregierung, Westfalen sei im Vergleich zum Rheinland benachteiligt.
Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf folgen einer Vorlesung im Grundstudium Pharmazie. Die Apothekerkammer beklagt gegenüber der neuen Landesregierung, Westfalen sei im Vergleich zum Rheinland benachteiligt. Foto: imago

In der Region fehlten 1000 Apotheker, und viele, die jetzt noch Bürger mit Medikamenten versorgten, gingen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, erklärte die Kammer. Westfalen sei bei der Ausbildung benachteiligt. Die Kammer verweist darauf, dass im Rheinland Pharmazie an den beiden Universitäten Bonn und Düsseldorf studiert werden könne, in Westfalen dagegen nur in Münster. »Wir appellieren an die Landesregierung, die Weichen für ein zusätzliches Pharmazeutisches Institut, zum Beispiel in Ostwestfalen, zu stellen«, heißt es in der Resolution, die von den 92 Delegierten der Kammerversammlung verabschiedet wurde.

Eigenes Hochschulinstitut für Pharmazie gefordert

Konkret wünschen sich die Apotheker die Gründung und den Aufbau eines eigenständigen Hochschulinstituts für Pharmazie. Als möglichen Standort schlagen sie die Universität Bielefeld vor. »Die Zahl der Apotheken hat sich reduziert, weil es schwierig ist, einen Nachfolger zu finden – wir haben einen dringenden Bedarf an Existenzgründern«, sagte gestern der Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Michael Schmitz, dem WESTFALEN-BLATT. Zur Zeit gibt es in der Region noch 1988 Apotheken, zwölf weniger als Ende 2015. Die Zahl sinkt seit zehn Jahren.

Der Rückgang könnte sich beschleunigen, denn in den kommenden zehn Jahren überschreiten 420 der 1500 Apotheker in Westfalen-Lippe die Altersgrenze von 67 Jahren und gehen in den Ruhestand. Bereits heute seien 138 Apotheker 68 Jahre und älter, sagte Schmitz. Das Durchschnittsalter der Kolleginnen und Kollegen betrage knapp 55 Jahre.

Apotheken besonders auf dem Land rückgängig

In strukturschwachen Stadtteilen und auf dem Land zeichne sich der Rückgang bei Apotheken besonders ab. Das hänge auch mit der geringen Dichte an Hausärzten zusammen. Im Klartext: Wo es keine Verordnungen gibt, lohnt sich eine Apotheke nicht. Noch sei die Versorgung der Kranken mit Medikamenten aber nicht gefährdet, beruhigte Schmitz. Um angesichts der bevorstehenden »Ruhestandswelle« eine ausreichende Zahl von Apothekern sicherstellen zu können, hält er 200 neue Pharmazeuten pro Jahr für erforderlich. Sie hätten glänzende Berufsaussichten, derzeit kämen auf einen fertigen Pharmazeuten bis zu 15 Stellenangebote. Ein angestellter Apotheker verdient etwa 60.000 Euro im Jahr.

Im Wintersemester 2015/16 waren an den Hochschulen in NRW 3148 Studierende im Bereich Pharmazie eingeschrieben. Wie das Statistische Landesamt in Düsseldorf passend zum heutigen »Tag der Apotheke« mitteilte, waren das 0,4 Prozent aller 745.009 Studentinnen und Studenten im Land. Was die Apothekerkammer freuen wird, ist die Tatsache, dass die Zahl der Studenten im Fach Pharmazie im Vergleich zum Wintersemester 2014/15 um 4,5 Prozent zugenommen hat.

Großteil sind weibliche Studenten

Pharmazie wird vorwiegend von Frauen studiert. Ihr Anteil betrug im Wintersemester 2015/16 mehr als 70 Prozent. Die Zahl der Männer, die sich für ein Pharmaziestudium entschieden, stieg im Vergleich zum Wintersemester 2014/15 nach Angaben der Statistiker immerhin um 5,5 Prozent.

Es sind hauptsächlich Männer, die eine Apotheke gründen. Frauen hätten oft ein anderes Lebens- und Familienmodell, sagte Schmitz. Sie seien oft nicht dazu bereit, bis zu 50 Stunden in der Woche hinter der Ladentheke zu stehen und zögen Pharmafirmen als Arbeitgeber vor. Alternativen seien OHG-Apotheken, in denen sich mehrere Absolventen zusammentun und die Arbeitszeiten flexibel gestalten.

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