Für gezieltere Werbung: Test mit Gesichtserkennung in 100 Filialen Auch die Post scannt Kunden

Bonn (WB). Wie die Real-Supermärkte setzt auch die Deutsche Post für Werbezwecke auf Gesichtserkennung. In etwa 100 Filialen werden die Kunden seit Ende 2016 dafür mit Kameras gescannt.

Von Tilo Sommer
Auch die Deutsche Post testet Gesichtserkennung.
Auch die Deutsche Post testet Gesichtserkennung. Foto: dpa

Keine Langeweile in der Warteschlange, das ist das Ziel der Deutschen Post. Wer ansteht und auf sein Paket wartet, der soll auf einem Bildschirm unterhalten werden. Sei es mit dem Horoskop, der Wettervorhersage und eben zielgruppenorientierter Werbung. So könnte Männern etwa der neueste Rasierapparat und Frauen Shampoo vorgeführt werden, erklärt ein Post-Sprecher: »Wir möchten die Attraktivität unserer Filialen steigern.«

Zum Einsatz kommt die gleiche Technik wie in den 40 Real-Supermärkten, wo wie berichtet die Augsburger Echion AG gerade die »Blickkontakterfassung« bei Kunden testet. Genutzt wird dafür die Software »Adpack« des Berliner Unternehmens IDA Indoor Advertising. Kameras nehmen die Gesichter der Kunden auf, die Software analysiert die Bilder.

Nur Geschlecht und Alter erfasst?

Erfasst würden dabei nur das Geschlecht und das ungefähre Alter des Kunden. Bilder oder Bewegtbilder werden laut Post nicht gespeichert. Aus datenschutzrechtlicher Sicht gebe es daher keine Bedenken. »Die Software ist von namhaften Instituten zertifiziert«, sagt der Post-Sprecher.

Doch wie bei Real werden die Kunden »nicht explizit« darüber informiert, welche Aufgabe die Kameras eigentlich haben. »Das ist nicht notwendig, weil es keine Erfassung von Daten gibt«, heißt es von der Post. Für sie genügt der Hinweis, dass die Filiale videoüberwacht wird.

Datenschutzaufsicht prüft

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht überprüft in der nächsten Woche, ob die Gesichtserkennung wirklich so bedenkenlos ist. Die Behörde hat dafür einen Termin bei der Echion AG in Augsburg gemacht. Datenschützer hatten kritisiert, dass die Kunden nicht ausreichend über die neue Technik informiert wurden. Der Test bei der Post in ausgewählten Filialen in Köln, Hamburg, Berlin und München soll derweil noch bis Ende 2017 laufen.

Auch der Technikhändler Media Markt/Saturn beobachtet das Thema mit Interesse, setzt aber bislang keine vergleichbare Software ein. »Innovative Systeme wie die Gesichtserkennung über Sensoren ermöglichen eine gezieltere Kundenansprache, wovon Händler wie Kunden profitieren können«, sagt eine Sprecherin des Unternehmens und spricht sich für entsprechende Aufklärung aus: »Je transparenter man die Kunden informiert, umso größer wird auch deren Akzeptanz sein.«

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