Ohnesorgs Tod verändert die Republik Die Geburtsstunde der RAF

Berlin (epd/dpa/WB). Der Schah, der Vietnamkrieg, der Protest gegen alte Nazis in den Verwaltungen und Universitäten und die Kugel im Kopf von Benno Ohnesorgs – der tödliche Schuss wird für die linke Studentenbewegung zum Fanal. All das gerinnt zu einem wütenden Protest gegen die alte Ordnung. Die sogenannten 68er krempeln damit letztendlich die gesamte Gesellschaft der Bundesrepublik um.

Vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin kommt es während des Besuchs des persischen Schah zu Demonstrationen.
Vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin kommt es während des Besuchs des persischen Schah zu Demonstrationen. Foto: dpa

Schon vor den Demonstrationen gegen den Schah heizt Polizeipräsident Erich Duensing mit der Warnung vor einem »Studentenkrieg« die Lage an. 1967, mitten im Kalten Krieg, versteht sich die Berliner Polizei als militärischer Verband, dem viele frühere Wehrmachtssoldaten angehören.

Radikale Töne werden laut. Noch in der Nacht zum 3. Juni schreit eine junge Frau während einer Versammlung des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds: »Wir müssen Widerstand organisieren! Gewalt kann nur mit Gewalt beantwortet werden.« Die Frau heißt Gudrun Ensslin und wird zu einem der führenden Mitglieder der Terrororganisation Rote-Armee-Fraktion (RAF).

Zum ersten Mal tritt diese Gruppe um Ensslin und Andreas Baader am 2. April 1968 in Erscheinung, als sie zwei Kaufhäuser in Frankfurt anzündet. Banküberfälle, Morde und Bombenanschläge folgen. Eine andere Terrorgruppe, die Berliner »Bewegung 2. Juni«, benennt sich sogar nach Ohnesorgs Todesdatum.

Ralf Reinders, ehemals Mitglied dieser Bewegung, erklärt diese Namenswahl im Jahr 1995: »Dieses Datum wird immer darauf hinweisen, dass sie zuerst geschossen haben.« Die »Bewegung 2. Juni« geht später in der RAF auf.

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