Oelde
Verein arbeitet die Nazi-Zeit auf

Rheda-Wiedenbrück (eph) - Ein Dreivierteljahrhundert nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs will der Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg die NS-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichte der 1000-jährigen Stadt aufarbeiten. Bei der Erforschung dieser dunklen Zeit soll es keine Tabus geben.

Sonntag, 01.03.2020, 18:01 Uhr

Darüber hat Dr. Wilhelm Sprang, Vorsitzender des Vereins, die Mitglieder am vergangenen Samstag im Sporthotel bei der Jahresversammlung informiert. Gesucht sind Mitbürger der Generation 90plus, die Erfahrungen und Erlebnisse aus jener Zeit vor der Kamera authentisch schildern können. Für das Projekt „Zeitzeugen“, das der Heimatverein in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Reckenberg-Ems angehen will, ist eigens ein hochwertiger Camcorder als Aufnahmegerät angeschafft worden.

Bei der Erforschung der NS-Zeit soll es offensichtlich keine Tabus geben. So wollen die Hobbyhistoriker des Vereins auch die Vita der beiden Wiedenbrücker Brüder Peter und Toni Winkelnkemper aufarbeiten, die eine unrühmliche Rolle im Dritten Reich gespielt haben. Beide hatten bis zur Aberkennung im Dezember 1945 die Ehrenbürgerschaft ihrer Heimatstadt Wiedenbrück inne. Der ältere, Peter (geboren 1902), war bis zu seinem Tod im Jahr 1944 Oberbürgermeister der Stadt Köln. Der jüngere, Toni (geboren 1905), war Intendant des Reichssenders Köln. Er zeichnete 1939 verantwortlich dafür, dass die so genannte Westfalenfahrt alter Nationalsozialisten durch Wiedenbrück mit großem Propagandaaufwand gefilmt wurde.

Wer sich einen visuellen Eindruck von dem damaligen Ereignis verschaffen will, hat dazu am Mittwoch, 25. März, die Gelegenheit. Dann wird der Heimatverein den Film im Heimatmuseum öffentlich zeigen. Weitere wichtige Termine und Aktionen sind der traditionelle Emmaus-Gang am Samstag, 18. April, und die Tour mit dem Heimatverein Rheda zum renovierten Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica am Sonntag, 17. Mai.

Inzwischen ausgebucht ist die Radtour mit Hans-Josef Alke entlang der Ruhr. Für Interessenten, die sich ein Bild machen wollen vom Wiedenbrück der Jahre 1969 bis 1981, hält der Heimatverein ab sofort ein Schmankerl bereit: Zum Preis von 20 Euro gibt es einen USB-Stick mit acht jeweils 30 Minuten langen digitalisierten Super-8-Filmen aus dem Nachlass des Hobbykameramanns Hans Kemper.

Nach einer vorübergehenden Vakanz im Vorstand ist der Heimatverein inzwischen personell gut aufgestellt. Turnusmäßige Wahlen zum Vorstand bestätigten die Führungsriege mit Dr. Wilhelm Sprang (Vorsitzender), Sigrid Theen (stellvertretende Vorsitzende), Martin Brockhinke (Schriftführer) und Horst Schauer (Kassenwart) einstimmig im Amt. Des Weiteren wurden als Mitglieder des erweiterten Vorstands ohne Gegenstimmen wiedergewählt: Hans-Josef Alke, Arnold Bergmann, Christoph Beilmann, Georg Buck, Dr. Dieter Heimann, Andreas Kirschner, Katharina Korsetzke, Margot Piorkowsky und Gerhard Serges.

Steigender Beliebtheit erfreut sich das Museum „Wiedenbrücker Schule“ an der Hoetger-Gasse. Leiterin Christiane Hoffmann, seit November 2017 im Amt, sprach in einem Bericht von einem „tollen und spannenden Jahr 2019“ mit 2000 Besuchern, darunter vielen Kindern und Jugendlichen. Für die kommenden Monate hat die agile Museumschefin wieder mehrere attraktive (Sonder-)Ausstellungen in petto. Bis Anfang April heißt es „Von OWL auf den Mount Everest“. Gezeigt werden Fotos und Dokumente des Borgholzhausener Extrembergsteigers Jost Kobusch. Für einen Liveauftritt des heimischen Abenteurers im Museum gibt es nur noch wenige Restkarten.

Eine weitere Ausstellung, die am Sonntag, 8. März, eröffnet wird und bis über den Sommer zu sehen sein wird, ist dem Jubiläum „100 Jahre Künstlerhaus Hartmann gewidmet“. Dabei ist es Hoffmann gelungen, vor dem Abriss des Hauses an der Rietberger Straße noch einige interessante Objekte zu sichern. Weitere Schauen beschäftigen sich mit der 175-jährigen Geschichte des Fahrzeugherstellers Weka (Start Anfang Mai) und dem Jubiläum „50 Jahre Rugbysport in Wiedenbrück“ (Weihnachtszeit).

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