Oelde
Fleiter geht mit Podcast auf Tour

Gütersloh (sib) - Philipp Fleiter ist ein Multitalent. Der Gütersloher arbeitet als Radiomoderator und hat jahrelang das Gütersloher Kneipenquiz moderiert. Für seinen Podcast „Verbrechen von nebenan“ kooperiert er seit Neuestem mit RTL. Was das für die Zukunft bedeutet, verrät Fleiter im Interview.

Sonntag, 01.03.2020, 16:31 Uhr

„Die Glocke“:

25 Folgen „Verbrechen von nebenan“ haben Sie Ihren Zuhörern mittlerweile kredenzt. Heute erscheint Teil 26, „Das Monster von Roßlau“. Wie lange brauchen Sie, um für eine Folge zu recherchieren?

Philipp Fleiter:

Ganz unterschiedlich. Im Schnitt verbringe ich zehn bis zwölf Stunden nur mit Recherche. Dazu kommen die Aufnahme und ihre Bearbeitung.

„Die Glocke“:

Wie kann man sich das vorstellen?

Fleiter:

Wenn ausführlich in den Medien über einen Fall berichtet wurde, läuft das viel über das Internet. Schwierig wird es, wenn es nicht so viel Material gibt. Dann durchforste ich Gerichtsberichte, ziehe Details aus jedem Prozesstag und setze das Ganze später zusammen. Und das nicht irgendwie. Ich überlege immer genau, mit welcher Szene ich einsteige, versuche, eine Geschichte so szenisch wie möglich darzustellen.

„Die

Glocke“:

Und das haben Sie anderen Podcasts im True-Crime-Genre voraus? Immerhin gibt es viele Mitbewerber.

Fleiter:

Die gibt es, ja. Ich glaube schon, dass vielen die Art und Weise gefällt, wie ich erzähle. Dass die Fälle aus der näheren Umgebung stammen, fügt noch ein bisschen Nervenkitzel hinzu. Manche Zuhörer haben mir davon erzählt, dass sie meinen Podcast sogar zum Einschlafen hören.

„Die Glocke“:

Ist das nicht befremdlich?

Fleiter:

Ein bisschen schon, ja (lacht). Aber ich habe mittlerweile gelernt, das als Kompliment aufzufassen. Ich selbst könnte das nicht. Die Fälle sind teils ziemlich heftig. Da springt mein Gedankenkarussell an.

„Die Glocke“:

Manche Fälle sind gruselig, manche seltsam, manche einfach nur interessant. Welche gefallen Ihnen am besten?

Fleiter:

Die Fälle, über die ich noch nichts weiß. Ich habe eine Folge über einen Anschlag auf das Münchener Oktoberfest 1980 gemacht. Darüber wusste ich am Anfang noch überhaupt nichts, habe nur durchs Schlüsselloch auf den Fall geschaut. Es ist aufregend, wenn im Verlauf der Recherche immer mehr Details ans Licht kommen. Dasselbe gilt aber auch für bekannte Fälle wie die Oetker-Entführung.

„Die Glocke“:

Jetzt aber zu Ihrer Kooperation mit RTL. Was hat es damit auf sich? 

Fleiter:

Das bedeutet, dass ich theoretisch hauptberuflich meinen Podcast machen kann. Aber dafür liebe ich Radio einfach zu sehr. Im Moment arbeite ich im Monat etwa drei Wochen bei Radio Gütersloh und eine Woche am Podcast. Das ermöglicht mir auch, Crossover-Folgen mit anderen Podcasts zu machen. Und ich kann auf Live-Tour gehen. Und wer weiß, jetzt wo ich mit RTL zusammenarbeite: Vielleicht sitze ich ja in einem Monat bei Stern TV? Wer weiß, was passiert.

„Die Glocke“:

Apropos: Da gibt es ja eine Veranstaltung am 8. Mai in der Rietberger Cultura, bei der Sie und der Krimi-Autor Vincent Kliesch zu Gast sind. Von „Verbrechen von nebenan“ ist in der Ankündigung allerdings keine Rede.

Fleiter:

Das liegt daran, dass Vincent Kliesch zuerst zugesagt hat. Wir machen jetzt eine Doppelshow daraus: Er liest aus seinem Buch, und ich mache einen Live-Podcast auf der Bühne.

„Die Glocke“:

Sie haben von Crossover-Episoden gesprochen. Mit wem würden Sie gern einen Podcast machen?

Fleiter:

Wenn ich träumen darf, dann mit dem Team von Zeit-Verbrechen-Podcast, Sabine Rückert und Andreas Sentker. Die beiden erzählen ihre Fälle unglaublich detailliert. Das fasziniert mich. Ich bin da aber nicht ausschließlich auf True Crime fixiert. Mal schauen, was sich ergibt.

„Die Glocke“:

Ohne zu sehr auf die Konkurrenz zu schielen: Welche Podcasts hören Sie privat?

Fleiter:

Darauf hat meine vorige Antwort, glaube ich, schon einen Hinweis gegeben: Zeit Verbrechen. Gemischtes Hack mit Tommi Schmitt und Felix Lobrecht oder Fest und Flauschig mit Jan Böhmermann und Olli Schulz höre ich auch gern.

„Die Glocke“:

In vielen Podcast-Bestsellerlisten schwirren Sie dauerhaft auf den oberen Rängen herum. Rezensenten loben Sie in höchsten Tönen. Welche Erfahrungen haben Sie mit Feedback?

Fleiter:

Ziemlich viele gute. Es gibt aber auch negative Stimmen, teils nachvollziehbar, teils nicht. Manche Menschen verstehe ich auch nicht. Wenn ich als Kurzrezension lese „Super Podcast, zwei von fünf Sternen“, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Manche Rezensenten werden sehr persönlich. Die sagen „Deine Stimme ist scheiße“ oder „Du bist ein Frauenfeind, weil du nicht genderst“. Das erste tut weh, das zweite stimmt einfach nicht. Selbstverständlich stört es mich, wenn jemand so persönlich wird. Aber ich lerne gerade, mir das nicht mehr zu Herzen zu nehmen.

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