Paderborn fordert heute Dortmund im Pokal – Das letzte Duell beim BVB hat eine ganz besondere Geschichte
Ein Abend lang strahlte Strelis Stern

Paderborn -

Der SC Paderborn 07 bei Borussia Dortmund: Wer erinnert sich nicht an den 22. November 2019, als der Aufsteiger aus Ostwestfalen beim Vizemeister zur Pause mit 3:0 führte.

Dienstag, 02.02.2021, 06:59 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 13:33 Uhr
In einem denkwürdigen Bundesligaspiel der zweite Streich: Streli Mamba überwindet erneut BVB-Schlussmann Roman Bürki und trifft zum 2:0. Foto: Bernd Thissen/dpa

„Wahnsinn in Westfalen“ titelte das WESTFALEN-BLATT nach den 90 Minuten, die schließlich 3:3 endeten. Heute (20.45 Uhr, ARD und Sky) treffen die beiden Klubs im Achtelfinale des DFB-Pokals erneut in Dortmund aufeinander.

Vor etwas mehr als 14 Monaten hatten beide Teams Druck. Nach elf Spieltagen war der BVB nur Sechster und lief den Erwartungen hinterher. „Erwartbar“ war, dass zu diesem Zeitpunkt das Schlusslicht an der Pader brannte. Dass der erste Nichtabstiegsplatz aber bereits sechs Zähler entfernt war, nicht unbedingt.

Paderborn erwischte einen Blitzstart, weil an dem Abend der Stern von Streli Mamba aufging. Zweimal traf der Deutsch-Kongolese (5./37.), Gerrit Holtmann (43.) erhöhte in der mit 81.000 Zuschauern ausverkauften BVB-Heimat auf 3:0.

„Kann mich mal einer kneifen“?“ bat Mamba in der Pause die Kollegen. Doch sein Doppelpack war keine Fußball-Illusion, das war Realität. Der bis dato auswärts sieglose Liga-Letzte hatte die wenige Monate zuvor mit 130 Millionen Euro verstärkten Schwarz-Gelben tatsächlich 45 Minute lang vorgeführt, ausgekontert und dreifach abgestraft. „Dortmund war nicht gut, weil wir diesem Stadion Eier hatten“ stellte Trainer Steffen Baumgart später gewohnt deutlich fest. Beim neuen BVB-Coach Edin Terzic, damals noch gar nicht im Amt, sind die 90 Minuten auch noch präsent: „Da sieht man, wie schnell es gehen kann, wen man nicht von Anfang an auf der Höhe ist.“

Und heute Abend? „Ich lebe nicht in der Vergangenheit“, wollte Baumgart am Montag gar nicht mehr über dieses denkwürdige Duell reden, der 49-Jährige blickte dann doch zurück. Allerdings auf den Pfingstsonntag 2020. Da verlor der SCP das Rückspiel gegen Dortmund nach torloser erster Hälfte mit 1:6: „Da hatten wir in den ersten 30 Minuten gute Möglichkeiten, sind immer wieder auf die Kette zugelaufen, haben es aber nicht geschafft, uns durchzuspielen.“

Das gelang in der Hinrunde viel besser. Auch wenn es am Ende zum ganz großen Wurf nicht reichte. Paderborns zweikampfstärkster Mittelfeldspieler Sebastian Vasiliadis musste verletzungsbedingt raus – im Rückblick der Anfang zur Wende. Jadon Sancho (47.), Axel Witsel (84.) und Marco Reus (90. +3.) retteten dem BVB am Ende noch einen Punkt, und ihrem Trainer Lucien Favre den Job.

Der ist nicht mehr im Amt, Vasiliadis wird nur noch bis Mai das SCP-Trikot tragen und dann zum Nachbarn Arminia Bielefeld wechseln. Das steht fest, welche Rolle der 23-Jährige, der seit Mitte Dezember nicht mehr im Kader steht, bis dahin noch in Paderborn spielt, ließ der Trainer auch gestern offen: „Wenn wir das Gefühl haben, dass er uns helfen kann, wird er wieder die Rolle einnehmen, die er über einen langen Zeitraum hatte.“ Auf Nachfrage fügte Baumgart hinzu: „Er macht im Moment einen sehr guten Eindruck, will sich reinarbeiten, integriert sich in die Mannschaft und wird im Verlauf der Saison noch ein wichtiger Faktor werden.“

Vielleicht schon heute Abend? Abwarten. Die drei Punktspiele in der Englischen Woche haben viel Energie gekostet. Kraft fehlte dem SCP auch an diesem denkwürdigen Freitagabend im November 2019. Das Remis musste sich der SCP trotzdem nicht schlechtreden lassen. Ein Unentschieden kann es heute nicht geben. Im Pokal geht es bekanntlich bis zur Entscheidung, oder wie es Baumgart ausdrückt: „Es ist ein Endspiel. Es geht nur ums Weiterkommen.“

Will Paderborn erneut Paroli bieten, müssen andere glänzen. Die Torschützen von damals sind nicht mehr dabei. Gerrit Holtmann spielt mittlerweile beim VfL Bochum. Der Stern von Streli Mamba erlosch schnell wieder. Einmal traf der 26-Jährige danach noch für Paderborn, in der 2. Liga spielte er gar keine Rolle mehr.

Auch, weil Trainer und Torjäger nicht miteinander konnten. Mamba war in dieser Saison in keiner Aufstellung zu finden. Ein Zeichen, wie verhärtet die Fronten am Ende waren. Eine gemeinsame Zukunft war unmöglich. Dafür machte der SCP im Januar noch ein Geschäft und verkaufte die schnelle Spitze für 700.000 Euro nach Kasachstan, verbunden mit dem Abschiedsgruß vom Coach: „Er soll zeigen, dass er besser ist und mehr kann als das, was ich in ihm gesehen habe.“

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