Fußballzweitligist SC Paderborn behält sich rechtliche Schritte vor
Owusu wird auf Instagram übel beleidigt und reagiert beeindruckend: #mitherzblutfußball

Paderborn (WB/pk/LaRo) -

Paderborns Spieler Prince Osei Owusu ist nach dem Zweitliga-Spiel bei bei Fortuna Düsseldorf auf Instagram übel beleidigt worden. Der SC Paderborn behält sich rechtliche Schritte vor. Auch der Spieler selbst bezog Stellung und fand starke Worte, die er auch direkt an den Verfasser der Beleidigung richtete.

Dienstag, 05.01.2021, 11:44 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 06:58 Uhr
Prince Osei Owusu im Einsatz für den SC Paderborn. Foto: Wilfried Hiegemann/Archiv

Er kam am letzten Tag der Wechselfrist am 5. Oktober vom ostwestfälischen Nachbarn Arminia Bielefeld zum SC Paderborn, wurde elfmal eingewechselt und ist noch ohne Treffer: Angreifer Prince Osei Owusu machte bislang eine etwas unglückliche Figur. Das war auch am Montagabend in Düsseldorf nicht anders, als er nach 61 Minuten für Svante Ingelsson ins Spiel kam und Sekunden später eine Riesenchance zum Anschlusstreffer am Tor vorbei köpfte.

Doch was dem 23-Jährigen danach entgegengebracht wurde, überschritt den Rahmen um ein Vielfaches. Ein sogenannter Fan schrieb Owusu auf Instagram mit einer Nachricht an, in der er den Deutsch-Ghanaer auf Englisch aufs Übelste beleidigte. Owusu veröffentlichte das in seiner Instagram-Story. Der Verein teilte die Story und kommentierte auf seinen sozialen Kanälen Instagram und Facebook: „Man kann mit einer Leistung mal nicht zufrieden sein und das auch gerne kundtun, Aber das...??? ist einfach widerlich.“

Doch bei dieser Antwort wird es möglicherweise nicht bleiben. „Wir werden uns zu diesem Vorfall noch einmal äußern und ganz klar erklären, dass man so nicht mit Menschen und Spielern umgehen kann. Das ist ein absolutes No-Go und betrifft nicht nur unsere Mannschaft. Aber es ist leider kein Einzelfall“, teilte Geschäftsführer Martin Hornberger auf Anfrage mit.

Sollte es dem Verein gelingen, den Nutzer ausfindig zu machen, „würden wir auch gegen ihn vorgehen. Ich weiß, dass sich unsere Kommunikationsabteilung schon intensiv um den Fall kümmert“, ergänzte Hornberger.

Owusu selbst reagierte am Dienstagvormittag souverän und fand beeindruckende Worte, die er bei Instagram in einer Story teilte: „In Anbetracht des gestrigen Spiels hat sich ein sogenannter ‚Fan‘ das Recht genommen mich zu kritisieren. Nur war jegliche Kritik deutlich unter der Gürtellinie, und weder sachlicher noch sportlicher Natur.“ Weiter führt der 23 Jahre alte Fußballer aus, dass er seinen Beruf verfehlen würde, wenn auf ihn nicht die Eigenschaft der Kritikfähigkeit zutreffen würde. „Trotzdem sollte jeder sich im Klaren sein, dass wüste Beleidigungen nicht zur fairen und sachlichen Kritik gehören!“ Viele würden sich die Anonymität des Internets zunutze machen, um Personen aus dem öffentlichen Leben zu diskriminieren, beleidigen, bedrohen etc., so Owusu weiter. „Oft wissen die ‚Kritiker‘ gar nicht, wie sehr sie die jeweiligen Personen verletzen! Hinter jedem Künstler oder Sportler z.B. steckt auch nur ein Mensch!“ Dann wendet sich Owusu direkt an der Verfasser der Beleidigung: „Ich bin mir sicher, auch in deinem Beruf, den du ausübst, hast du gute sowie auch schlechtere Tage, in dem du nicht dein volles Potential am Arbeitsplatz ausschöpfst, ist dies ein Grund für deine/n Vorgesetzten, Mitarbeiter oder den Kunden, dich auf herablassendste Art und Weise zu beleidigen?“ Paderborns Fußballer endet in Großbuchstaben und dem eindringlichen Hinweis „ES GIBT MENSCHEN, DIE DARAN ZERBRECHEN!“ und setzt unter den Text #mitherzblutfußball.

Am Nachmittag veröffentlichte der SC Paderborn 07 folgende Stellungnahme: „Wir haben in unserem kürzlich verabschiedeten Leitbild unter dem Motto „Mit Herzblut. Fußball.“ ganz bewusst eindeutig herausgestellt, dass wir Vielfalt leben, die Würde jedes Menschen achten und einer Diskriminierung jeglicher Art aktiv entgegentreten. Insofern ist es uns ein großes Anliegen, die jüngsten Beleidigungen gegenüber unserem Stürmer Prince Owusu in einem sozialen Netzwerk scharf zu verurteilen. Unabhängig von der sportlichen Leistung eines Spielers, die durchaus unterschiedlich bewertet werden kann, sind derartige Kommentare absolut unangebracht. Leider sind persönliche Beleidigungen auch gegenüber Fußballspielern kein Einzelfall mehr. Das ist aus unserer Sicht allerdings nicht akzeptabel. Wir versuchen, die Identität des Absenders zu ermitteln, und behalten uns rechtliche Schritte vor.“

SCP-Trainer Steffen Baumgart kommentierte die Vorkommnisse so: „Es ist leider gang und gäbe, dass Menschen in den Sozialen Netzwerken beleidigt werden. Der Fußball ist ein Ventil unserer Gesellschaft.“ Der Coach selbst hat in der Vergangenheit schon ähnliche Erfahrungen gemacht: „Nach dem Braunschweig-Spiel hat jemand geschrieben, dass der Trainer raus müsse. Das sind sogenannte Experten, die von Abläufen keine Ahnung haben und nicht in der Verantwortung stehen. Sie urteilen nicht, sie verurteilen und sollten die Klappe halten. Ich bin damals als Spieler auch beleidigt worden, aber da standen sie vermummt vor mir.“ Zu Owusu sagte Baumgart: „Prince ist es selbst unangenehm, dass er schon die eine oder andere Chance liegen gelassen hat, aber er arbeitet gut und tut alles, um sich zu verbessern.“

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